Gifhorn: Teile der 11. Lübener Werkstattwoche in der KVHS und im Kavalierhaus zu sehen

Vier Wochen schrille Stille

Irene Siemann sagt viele Besucher voraus.

Gifhorn. Die schrille Stille ist in Gifhorn angekommen. Seit Freitagabend sind Teile der kreativen Arbeit der Künstler der 11. Lübener Werkstattwochen in den Räumen der KVHS und dem Kavalierhaus zu sehen.

„Es war schon schwierig, ‘schrille Stille’ in die anderen Sprachen zu übersetzen“, merkte Doris Weiß, künstlerische Leiterin der Werkstattwoche, an, die die Ausstellung mit Ursula Brüns, Vorsitzende des Wittinger Kulturvereins, und der Geschäftsführerin des Bildungszentrums, Irene Siemann, eröffnete. Doch schon diese Diskussion über den Titel, nicht nur in den Ohren von Weiß ein Widerspruch, befruchtete wie auch die Atmosphäre in und um Lüben sowie das Zusammenarbeiten der 25 Künstler aus elf Nationen Mitte des Jahres im Nordkreis, darunter mit Carolin Kern auch eine frisch gebackene Abiturientin aus Wittingen und zwei weiteren Kunststudenten.

„Lüben ist geprägt von optischer und akustischer Stille, wie man sie nur noch selten antrifft“, so Weiß. Dafür gebe es aber dort aber „Dinge oder Geräusche, die man als schrill empfinden“ könne. „Schrill kann auch im Sinne von ‘anders’ oder ‘ungewöhnlich’ verstanden werden“, sagte Weiß. Dass die Ausstellung, die zuvor schon im Wittinger Rathaus und der Sparkasse in Wolfsburg zu sehen war, viele Besucher in den Räumen der Kreisvolkshochschule haben wird, sagte Siemann zu. „Wir haben gerade in den Wintermonaten viele Kursteilnehmer und auch sehr viele mit Migrationshintergrund, passend zur internationalen Zusammensetzung der Künstler der Werkstattwoche“, sagte sie.

Brüns verwies nicht ohne Stolz, dass die Werkstattwoche, „ein Kind der Wende“, auch mehr als zwanzig Jahr nach dem Mauerfall noch floriere und sich weiterentwickele. Insbesondere die Schülertage, in denen Schüler in Kooperation und mit Anleitung der Künstler arbeiteten, seien sehr gut angenommen worden. Leider gab es diesmal keine Kooperation mit der Förderschule, bedauerte Brüns. „Diese Woche wirkt sehr motivierend und erzieherisch auf die Schüler“, sagte sie.

So unterschiedlich wie die Künstler, so unterschiedlich sind auch die Arbeiten und die Materialien, erklärten die Rednerinnen. „In den hier versammelten Werken können Sie die Wahrnehmungspalette zwischen schrill und still ausloten“, forderte Weiß die Gäste zur kritischen Betrachtung der Bilder, Collagen und Bildhauer-Arbeiten auf. Denn das Motto „schrille Stille“ greife ein Phänomen , über das weiter nachzudenken sich lohne.

Ob schrille Ideen oder Stille auf Leinwand oder in andere Kunst gebannt, die Ausstellung, die bis zum 22. Februar in Gifhorn zu sehen ist, wandert anschließend weiter in die Niederlande, wo sie im Juli und August gezeigt werde, wie Brüns erklärte.

Von Burkhard Ohse

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