„Eiermeiers Kurschatten“ im Vorhoper Dorphüs / Vergnügliches Theaterstück nach zwei Monaten Übungszeit auf Bühne

Vier schöne Wochen

Ups!: Immer wieder überraschend bei einer Kur, der Besuch der Ehefrau.

Vorhop. Wie das so ist bei einer Kur. So mancher geht nur wegen der Kurschatten hin. Und dafür simuliert auch Ignaz Meier („Großes M – kleine Eier“, Harald Dürkop) gerne mal Rückenschmerzen.

Er verspricht sich vier schöne Wochen Ruhe (vor seiner Frau), Erholung (vom Hühnerhof) und Entspannung (bei Spaß und Spiel). Doch seine Frau, Klothilde Meier (Annelie Maaß), resolut und unnachgiebig, ahnt schon, dass der Frauenheld und Spieler andere Gründe als die vorgegebenen hat und setzt ihre unverheiratete Freundin Kunigunde Stumm (Heike Dürkop) auf den Hallodri-Ehemann an. Einen vergnüglichen Abend bereitete die Theatergruppe Vorhop den Gästen am Sonnabend im Dörphus.

Fräulein Stumm deutet durch permanentes Husten Unwahrheiten und Übertreibungen an, bleibt aber inkognito, und aufgrund ihres Sprachfehlers eben stumm. Nomen est Omen, und auch sonst wurden alle Klischees bedient, aber genau das ist ja das Witzige. Und je ferner man der Heimat, desto mehr gilt man vorgeblich zu Hause, womit man gerade auf einer Kur prahlen kann. 200 Angestellte hat er daheim, sagt Eiermeier, dass es sich um Legehennen handelt, verschweigt er. Ohne ihn geht zu Hause nichts, flunkert er weiter, und das hält, bis Klothilde ihn besucht.

Bis dahin hatte er Lilo Puppe (Eva-Maria Wullschläger) klargemacht, die ebenfalls die Kur als Partnerschaftsvermittlung sieht. Das wird dann schmerzhaft, als Klothilde die beiden inflagranti in der Massagekammer erwischt, mit einem blauen Auge rennte Ignaz über die Bühne, verfolgt von einer schirmschwingenden, wütenden Ehefrau. Es ist also nichts mit der Feststellung des Kurgastes Alfons Mayer („Hier herrscht Ruhe und Frieden“, Peter Wolber), Bibliothekar, passionierter Streichholz-Bastler und Mau-Mau-Spieler.

Gerade der richtige Mann für Kunigunde, bis dahin völlig unbemannt. Das findet dann auch Alfons Mutter Adele Mayer (Heike Rogge), die sich ebenfalls einklinkt. Das alles lässt den Praktikanten Andy (Sabrina Maaß) kalt, er ist wohl so einiges gewohnt. Am Ende ist allerdings alles wieder im Lot. Nach einem kurzen Abenteuer von Klothilde mit einem Automechaniker, gibt es die Meier-Versöhnung, dann die Mayer-Stumm-Liaison mit dem Segen der Mutter und wieder Frieden in der Kurklinik. Nur Lilo Puppe steht allein da und muss auf Kuren weiter suchen.

„Wir haben zwei Monate für das Stück geübt“, sagte Christiane Wilkens, die Regie führte. Jedes Jahr seit 1994 gibt es ein Stück, das meist nach der Besetzung ausgesucht wird. Für die Technik sorgte Frank Müller, für die Maske war Elke Wullschläger zuständig. Ach übrigens. Warum Kurschatten Kurschatten heißt, wurde auch geklärt. „Die Dame habe ich in der dunklen Kammer nur als dunklen Schatten gesehen“, erklärte die erboste und gehörnte Ehefrau Meier auf der Bühne.

Von Burkhard Ohse

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