Zwei Wittinger plädieren für mehr Liebe zum Detail bei Umrüstung der Straßenbeleuchtung

Zu viel Licht, das zur Seite strahlt?

Stefan Weitz (l.) und Friedrich O. Winkelmann diskutieren an einer der umgerüsteten Straßenlampen am Ehrenhain über die seitliche Abstrahlung.

Wittingen. Dunkle Nächte? Mag der moderne Mensch nicht mehr so gern. Mehr Straßenbeleuchtung in den Orten bedeutet mehr Sicherheit, so das gängige Credo.

Doch gibt es auch ein „zu viel“ an Licht? Zwei Wittinger sind der Überzeugung, dass die künstliche Nachtbeleuchtung gezielter und sparsamer eingesetzt werden könnte.

Stefan Weitz ist Hobby-Astronom, doch nicht nur aus diesem Grund plädiert er für weniger „Lichtverschmutzung“ am Nachthimmel. Die Folgen von zu viel Straßenlampenschein hat er in diesem warmen Sommer auch im Schlafzimmer gespürt. Fenster auf, Luft rein – und das Licht auch. Die vor zirka drei Jahren umgerüstete Laterne vor seinem Haus in der Spörkenstraße wirke leider wie eine Rundumleuchte. Das gelte im Übrigen für alle sogenannten Pilzleuchten.

Diese Art von Laterne hat auch Friedrich O. Winkelmann im Visier. Er findet ebenfalls, dass Pilzleuchten zu viel Licht nach den Seiten abstrahlen, statt nur die unmittelbare Umgebung auszuleuchten: „Man muss nicht beim Spaziergang von Laterne zu Laterne die Zeitung lesen können.“

Weitz und Winkelmann betonen beide, dass sie die seit Jahren stattfindende, sukzessive Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED grundsätzlich begrüßen: „Unter energetischen Gesichtspunkten ist das der richtige Schritt“, sagt Winkelmann. Beide hätten sich aber gewünscht, dass Feinheiten wie etwa die seitliche Abstrahlung noch stärker berücksichtigt worden wären. In der Gartenstraße und im Himmelreich gebe es Beispiele für gute Lösungen.

Weitz hat sich intensiv mit den Auswirkungen von nächtlicher Lichtstrahlung beschäftigt. Er macht sich in dem Zusammenhang auch Gedanken über das vieldiskutierte Insektensterben. Je wärmer die Farbtemperatur des Lichtes, desto besser sei das. Weil Insekten dann nicht so stark angezogen und damit nicht aus ihrem natürlichen Rhythmus gebracht würden. Und weil ein höherer blauer Anteil – also kälteres Licht – eben für mehr Streuung und damit auch für Lichtglocken über den Städten und Dörfern sorge. Zu viel Blau im Licht ist auch der menschlichen Nachtruhe abträglich, weil es die Produktion des Schlafhormons Melatonin unterdrückt. Die in Wittingen verbauten 3000 Kelvin seien in dieser Hinsicht aber schon recht gut.

Weitz wie auch Winkelmann machen jedoch geltend, im Vorfeld der LED-Umrüstung entsprechende Eingaben zu viel Abstrahlung bei der Stadt gemacht, damit aber kein Gehör gefunden zu haben. Und sie stellen sich heute die Frage, ob nicht trotz der nun realisierten Energieeinsparungen noch weitere Verbesserungen möglich sind – durch bedarfsgerechte Schaltungen, etwa mit Bewegungsmeldern, oder durch Dimmbarkeit von Straßenlampen.

Stadtbürgermeister Karl Ridder sagt auf Anfrage, dass solche Dinge technisch sicher möglich, aber eben auch eine Frage der Kosten seien. Im Vorfeld der Umrüstung habe es von Bürgerseite unterschiedliche Sichtweisen gegeben: Der eine habe sich gefreut, wenn sein Vorgarten mit ausgeleuchtet wird, der andere dagegen nicht.

Diverse Straßenzüge im Stadtgebiet kommen bei der LED-Umrüstung noch an die Reihe, rund 50 Prozent der Lampen sind bisher ersetzt.

Von Holger Boden

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare zu diesem Artikel