Neue Leitung für Lagerstättenwasser bei Vorhop ist in Betrieb

Wie Vermilion Lecks am Förderfeld Vorhop-Knesebeck verhindern will 

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Vorhop/Knesebeck – Das Förderunternehmen Vermilion hat seine neue Lagerstättenwasserleitung in Betrieb genommen, die vom Betriebsplatz Schönewörde zum Förderfeld Vorhop-Knesebeck führt.

Inklusive der zugehörigen Umbauten auf dem Betriebsplatz beläuft sich die Investition nach Angaben der Firma auf 3,8 Millionen Euro.

Mit den Grafiken will Vermilion zeigen, wie das zutage geförderte Erdöl oder das in die Lagerstätte gepresste Lagerstättenwasser durch mehrere ineinander liegende und zementierte Rohrtouren vom umliegenden Gebirge und damit auch den trinkwasserführenden Schichten getrennt ist. Oben der Betriebsplatz Schönewörde.

Die Inbetriebnahme erfolgte am 18. Juni. Laut Vermilion-Sprecherin Sandra Finger wurden in den letzten Wochen mehrere Druckproben vorgenommen, um die Integrität der Leitung zu testen. Mit der etwa sechs Kilometer langen Leitung aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) wird das zuvor vom Erdöl getrennte Lagerstättenwasser vom Betriebsplatz Schönewörde wieder in die Lagerstätte unter Tage überführt, um so den gesunkenen Lagerstättendruck und die Förderung zu erhöhen. „Mit der neuen Leitung wurden erprobte Leckageüberwachungs- und Absperrsysteme eingebaut“, erklärt Finger. „Die nach neuestem Standard verlegte Leitung ersetzt damit die bislang bestehende Leitung.“

Umweltschützer hatten Kritik an den Ölförder-Aktivitäten im Nordkreis geübt, insbesondere fürchten sie Leckagen in alten Leitungssystemen. Was sagt Vermilion zu solchen Sorgen? Auf IK-Anfrage heißt es, das das Unternehmen investiere fortlaufend in den Ersatz älterer Leitungen. Die eingeplanten Mittel „für 2020 und die nächsten Jahre“ beliefen sich auf 3,4 Millionen Euro.

Die Gesamtlänge der aktiven Feldleitungen in den Erdölfeldern Vorhop und Vorhop-Knesebeck gibt Vermilion mit 49,9 Kilometern an. Das umfasse Nassölleitungen, Lagerstättenwasserleitungen und Feldleitungen für sogenanntes Erdölbegleitgas.

Laut Finger sind 80 Prozent der Leitungen „maximal 13 Jahre alt“. Und: „Ein kleiner Teil der übrigen 20 Prozent sind über 30 Jahre alt.“ Alle älteren Stahlleitungen seien in den letzten Jahren durch GFK-Leitungen ersetzt werden. Zudem existieren Leitungen aus Polyethylen – auch diese wolle man „innerhalb der nächsten Jahre nach und nach“ gegen GFK-Leitungen austauschen. Bei den regelmäßig auszuführenden Sicherheitsmaßnahmen richtet sich Vermilion laut Finger nach diversen Verordnungen, man wende dafür rund 160 000 Euro pro Jahr auf. Dazu gehören unter anderem Überprüfungen und Begehungen von Feldleitungen sowie deren Fernüberwachung. Jürgen Rückheim, Generalbevollmächtigter des kanadischen Unternehmens in Deutschland, sagt: „Es gibt dafür Regelwerke, und die halten wir ein.“ Die Messtechnik erlaube es, Druckabfall und damit Leckagen umgehend festzustellen. Sogenannte Molche, die durch die Leitungen geschickt werden, könnten die Wandstärke messen. Auch Korrosion könne man aufspüren.

Mit der Frage konfrontiert, warum bei Hankensbüttel (bei der Leitung eines anderen Unternehmens) erst ein Passant eine Leckage entdecken musste, konzediert Rückheim: „Damit wirbt man nicht um Vertrauen.“ Er betont: Einen Austritt von Lagerstättenwasser oder Nassöl wolle sein Unternehmen unbedingt verhindern. Garantien könne niemand geben – für den Eintritt von Flüssigkeiten ins Grundwasser gebe es aber eine minimale Wahrscheinlichkeit.

Leitungen für Lagerstättenwasser sind das eine, Kritiker fürchten aber auch Havarien bei Einpressbohrungen. Auch dafür, so Rückheim, gebe es hohe Anforderungen. Eine solche Bohrung werde mit einem permanenten Druck-Monitoring überwacht. Komme es zu Druckschwankungen, werde die Bohrung sofort stillgelegt.

Der Förderhorizont liegt unter dem Grundwasserhorizont, die Stahlrohre laufen da also durch. Eine Gefahr für das Grundwasser? Rückheim verneint das. Die Stahlrohre seien fest mit dem umgebenden Gebirge verbunden, in einem solchen Rohr verlaufe das eigentliche Förderrohr. Das Rohr-im-Rohr-Prinzip soll vermeiden, dass Flüssigkeit austreten kann. Die Ummantelung werde mit Sensorik überwacht.

Mit der Inbetriebnahme der Lagerstättenwasserleitung war es das erst einmal an neuen Vermilion-Projekten bei Vorhop. Es läuft die normale Förderung: „Wir produzieren fleißig“, sagt Rückheim. Die Ablenkbohrung H2a ist laut Finger fertig, habe aber nicht das erhoffte Ergebnis gebracht und wurde zementiert. 2021 soll sie „auf Wiedervorlage“ kommen. Das gilt auch für die Bohrung H3b. „Das liegt auch an Corona“, sagt Finger. „Der Ölpreis ist niedrig, wir haben neue Priorisierungen vorgenommen.“ Eine zudem vorgesehene Konvertierung einer Bohrung soll ebenfalls zu einem späteren Zeitpunkt auf die Agenda kommen. Bei neuen Projekten, so Finger, wolle man dann wieder öffentlich informieren. (VON HOLGER BODEN)

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