Lüneburger OVG-Urteil könnte für Wittingen interessant werden

Saatkrähen: Vergrämung doch möglich?

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Krähenschar in einem Baumwipfel: Eröffnet ein Urteil aus Lüneburg nun Möglichkeiten zur Vergrämung?

Wittingen. Die Aktenzeichen 4 LC 156/14 und 4 LC 157/14 des Lüneburger Oberverwaltungsgerichtes könnten krähengeplagten Wittingern Hoffnung machen.

Derzeit ist zwar insbesondere am Hindenburgwall eine gewisse Ruhe eingekehrt – unter Anwohnern wird aber nach den Erfahrungen der letzten Jahre damit gerechnet, dass Saatkrähen zum Frühjahr hin neue Nester bauen. Für diesen Fall hat das OVG möglicherweise eine Tür für Vergrämungsmaßnahmen geöffnet.

Die Betonung liegt auf „möglicherweise“.

„Wir können das noch nicht abschließend beurteilen“, sagt Antje Präger, Fachbereichsleiterin für Umwelt beim Landkreis Gifhorn. Das vollständige Urteil werde voraussichtlich in drei bis vier Wochen verfügbar – erst dann könne geprüft werden, inwiefern der Spruch aus Lüneburg eventuell Präzedenzwirkung für den Gifhorner Nordkreis entfaltet.

Passiert ist Folgendes: Ein Rentner aus Achim versuchte seit 2008 gegenüber dem Landkreis Verden durchzusetzen, dass er eine Saatkrähenkolonie mit akustischen Mitteln vergrämen darf. Dabei ging es um etwa 250 Brutpaare, und der genervte Anwohner wollte etwas gegen den Belästigung durch Lärm und Kot tun. Vor dem Verwaltungsgericht Stade scheiterte er noch mit dem Begehren, die naturschutzrechtliche Zulässigkeit der von ihm beabsichtigten Vergrämung durch so genannte Krähenklappen und Greifvogelrufe feststellen zu lassen.

Das OVG Lüneburg sah das nun anders: Die vorgesehenen Störmaßnahmen erfüllten keinen Verbots-Tatbestand nach dem Bundesnaturschutzgesetz. Die Population der Saatkrähen sei dadurch nicht gefährdet. Eine Revision beim Bundesverwaltungsgericht ließen die Lüneburger Richter nicht zu.

Präger geht bislang von der Verbindlichkeit eines Leitfadens des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz aus – und der lege eine Einzelfallprüfung nahe. Bei dieser Prüfung sei man in Wittingen zu dem Ziel gekommen, dass eine reine Vergrämung nicht zielführend ist, dass vielmehr ein Konzept nötig sei. Ob das Urteil daran nun etwas ändert, bleibe abzuwarten.

Der Wittinger Friedrich O. Winkelmann, Jurist, Wall-Anwohner und Bürgervertreter im Wirtschaftsausschuss, hat politische Vertreter der Stadt bereits aufgefordert, frühzeitig die Weichen für Vergrämungsmaßnahmen zu stellen: „Sonst ist Wittingen wieder zu spät dran. Es sind nur noch zwei Monate, bis die Vögel zurückkommen und sich zunächst sammeln werden.“

Stadtbürgermeister Karl Ridder sieht den Lüneburger Richterspruch als durchaus interessant für die Wittinger Situation an, will aber noch keine kurzfristigen Maßnahmen in Aussicht stellen. „Ich werte das Urteil als grundsätzlich positiv für uns, vielleicht erleichtert das die Sache.“ Allerdings habe ein Braunschweiger Fachbüro den Auftrag bekommen, Handlungsoptionen zu bewerten. Das werde bis zum Frühjahr abgearbeitet.

Von Holger Boden

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