Unvollendete Dorfchronik

Der Heimatforscher Hans-Günther Michels.

Suderwittingen - Von Jürgen Kayser. Bis in die Zeit um 350 nach Christus geht das frühste geschichtliche Ereignis zurück, das Heimatforscher Hans-Günther Michels auf Suderwittingen bezieht. „Die Straße (B 244), die mitten durch den Ort führt, war neben der so genannten Salzstraße (heute die B 71 ) die wichtigste Auswandererroute der Langobarden vom Gebiet Stade-Bardowick-Uelzen bis an die Theiß im Donaugebiet“, behauptet der Hobby-Historiker.

Die Suderwittinger und Gäste, die Michels Ausführungen im Dorfgemeinschaftshaus hörten, waren überrascht von der Fülle an Archivalien, die der Referent präsentierte. Eine Karte aus dem Atlas von Johannes Mellinger stach besonders ins Auge. Illustriert mit einem Merian-Stich der Residenz-Stadt Celle. Kostbarkeiten, wie der Auflösungs-Rezess des „Wirthlos“ gewordenen herrschaftlich-adeligen Vollhofes Nummer 6 in zwei Halbhöfe (Nr. 6 und 7) in Suderwittingen, der Verkopplungs-Rezess von 1864 sowie die dreiteilige Dorfchronik von Marlene Homann fanden reges Interesse. Für ihr Nachschlagewerk zur Geschichte des „uralten“ Dorfes an der „Schnede“ zur Altmark und dem Bistum Verden wurde die Chronistin von der Landwirtschaftskammer prämiert. Auch die Dorf- und Hofgeschichte von Sieglinde Behn gehörten zum Vorgezeigten.

Ganze 1930 Seiten Auszüge aus Registen, Flur- und Landkarten sowie Zahlensammlungen und chronologisch geordnete Geschichtsabläufe lagen kompakt vor. Nicht zu vergessen Hans-Günther Michels Klassiker „Suderwittingen im Wandel von 800 Jahren“ – aus dem „Geschichtsbuch der Herren von dem Knesebeck“ – sowie seine Forschungen zur örtlichen Kapelle.

„Ist Suderwittingens „Kirchlein“ ein Zweit- oder Drittbau?“ In diesem Zusammenhang verwies Michels auf eine Veröffentlichung von Professor. Dr. Wolfgang Petke zur „Mission und zum Kirchenbau“ in frühester Zeit der Christianisierung. Der Titel: „Wie kam die Kirche ins Dorf?“ Im „Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Landkreises Gifhorn“ von Jürgen Rund lässt sich lediglich ein Hinweis finden, dass in der Suderwittinger Kapelle um 1800 jährlich dreimal Gottesdienst gefeiert wurde und dass das Gotteshaus vor 1867 als Backsteinbau neu errichtet wurde (Mithoff 1867). Michels Forschung zur Kapellengeschichte bietet Bauzeichnungen und Kostenrechnungen zum Neubau 1845/46 und zum Glockenturm 1863/64.

Die Ortsgeschichte gäbe noch viele Rätsel auf, betonte er. Besonders die Zeit, in der viele Höfe „wüst“ fielen bis um 970 (Bau der Mundburg bei Müden an der Aller), sei schwierig zu bearbeiten, artikulierte der Suderwittinger, der das „Wüstfallen“ mit den Slawen-Einfällen begründete .

Seine Recherche förderte viel Geschichte zu Tage, doch gleichzeitig die Erkenntnis: „Kein Suderwittinger Hofname ist mehr von 1450 vorhanden.“ Das Dorf selber wird erstmals 1226 bei Riedel im Codex diplomaticus Brandenburgensis genannt. Herzog Otto das Kind beurkundet, dass Hartneid von Wrestedt dem Kloster Diesdorf fünf Hufe Land verkauft. „Mit der Ersterwähnung ist bewiesen, dass vier bis fünf Vollhöfe mit je einer Hufe Landbesitz in Suderwittingen ansässig waren“, schlussfolgert der Forscher.

„Die Ergebnisse, die Hans-Günther Michels in 500 Stunden akribischer Arbeit aufspürte, könnten auch für die umliegenden Dörfer interessant sein“, ermunterte Carsten Dreblow die Nachbarn ihre Dorfgeschichte zu ergründen. Inzwischen sind die Forschungsergebnisse in Suderwittingen auf 20 Ordner angewachsen.

Weitere sollen zur „Unvollendeten Dorfchronik“, die sich als übersichtliches „Archiv“ darstellt, hinzukommen. „Unsist zudem die jüngere Geschichte wichtig – Feuerwehr, Sportverein Landwirtschaft, das Kriegerdenkmal“, sagte Ortsvorsteher Carsten Dreblow, der hofft, dass die heimatkundliche Forschung in Suderwittingen weitergeht.

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