Wittingen: Außergewöhnliche Farbgebung für das Haus Kreyenberg entspricht Design aus der Zeit um 1700

Ein Unikat in Ocker und Ziegelrot

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Die ursprüngliche Farbgestaltung von um 1700 ist an einer Stelle am Erker zu erkennen.

Wittingen. Der älteste Profanbau Wittingens, das Haus Kreyenberg, erstrahlt wieder in neuem, beziehungsweisen alten Glanz.

Denn die nun im Rahmen eines Pressegesprächs vorgestellte Farbgebung entspricht der, die das 1640 errichtete Gebäude nach der Erneuerung der Utlucht um 1700 herum erhielt, wie aufwändige Analysen ergeben hatten. Das Fachwerk des Kreyenberg strahlt nun in einem goldenen Ockerton, die Gefache präsentieren sich in Ziegelrot und sind durch eine weiße Aufmalung der Lagerfugen gegliedert, erklärte Bernhard Recker, zuständiger Amtsrestaurator des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege in Hannover.

Die Inschrift wird noch farblich hervorgehoben.

Das Design ist indes nicht nur schick, sondern auch ein Unikat: Ockergelbes Fachwerk, an sich schon selten, in Kombination mit roten Gefachen und aufgemalten Lagerfugen – die an der Rückseite damals wie heute fehlen –, finde sich nirgendwo anders in Niedersachsen. Besonders das Fehlen von aufgmalten Stoßfugen sei außergewöhnlich, stellte Recker fest.

Die Fenster des Kreyenberg sind – ebanfalls nach historischem Vorbild – in Beige gehalten. Der Saalanbau – um 1850 entstanden – ist einfarbig beige angestrichen. „Das war damals so Mode“, sagt Recker. Und auch damit der jüngere Saalbau hinter dem älteren Teil des Kreyenberg zurücktritt, habe man sich für diese schlichte Farbgebung des Saalanbaus entschieden.

Bei der Haus Kreyenberg Stiftung ist man sich im Klaren darüber, dass die Farbgebung auf den ersten Blick ungewohnt erscheint und auch Diskussionen auslösen könnte, sagte der Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung, Gerhard Döpkens. Aber: „Die Gestaltung ist kein Zufall und auch nicht dem persönlichen Geschmack des Stiftungsvorstandes entsprungen“, erklärte Döpkens. Vielmehr gehe die Farbgebung aus historischen Untersuchungen und denkmalpflegerischen Überlegungen hervor. Zudem habe der Vorstand sich in Uslar und Alfeld vergleichbare Häuser angesehen, und sich an das Ergebnis „herangetastet“. Vor diesem Hintergrund sei man von dem Design überzeugt, stellten Döpkens und Horst H. Müller, Vorstandmitglied der Stiftung, klar. Das Gebäude werde so noch mehr herausragen.

Mit der Farbgebung ist die Außengestaltung nun fast abgesschlossen, der Innenausbau läuft auf Hochtouren. Im Sommer nächsten Jahres soll die Restaurierung des Haupthauses dann komplett abgeschlossen sein. „Wir freuen uns schon, dieses Gebäude dann allen Wittingern präsentieren zu dürfen“, sagte Döpkens.

Von Steffen Schmidt

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