Betriebe registrieren Unsicherheit bei Kunden

Türen im Wittinger Einzelhandel wieder offen

Ein Blick in die Lange Straße, im Vordergrund das Wittinger Wappentier.
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In Wittingens Innenstadt ist der Einzelhandel wieder geöffnet.
  • Holger Boden
    vonHolger Boden
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Wittingen – Ja, man darf wieder in die Läden. Ermattet durch immer neue Allgemeinverfügungen, konfrontiert mit Aggregatzuständen wie „Hochinzidenzkommune“ und verwirrt durch regional unterschiedliche Corona-Ansagen haben viele Bürger im Nordkreis offenbar immer noch so ihre Zweifel, welches Geschäft sie unter welchen Voraussetzungen betreten dürfen. Die erfrischend einfache Nachricht: Hochinzidenzkommune war gestern, vorerst jedenfalls, und wie überall im Landkreis sind auch in der Wittinger Innenstadt die Läden wieder offen. Noch spüren die Einzelhändler aber nicht die große Resonanz.

„Da ist noch viel Verunsicherung“, meint etwa Schmuck- und Uhrenhändler Sven Fischer. „Es ist aber wahrscheinlich auch normal, dass es ein paar Tage dauert, sich wieder umzustellen.“ Er will seinen Kunden jetzt am Geschäft wie auch über die digitalen Kanäle mit Hilfe von farbigen Viertelkreisen signalisieren, welche Voraussetzungen gerade gelten – eine Art Ampelsystem, das derzeit auf Gelb steht. Das heißt: Einkaufen mit Termin im Laden möglich, auch spontan, dazu Hol- und Bringservice.

Auch im Fachhaus Glaubitz registriert man laut Geschäftsführerin Lara Gade in den ersten Tagen nach der erneuten Lockerung noch sehr verhaltenen Besuch. „Die Kunden sind unsicher“, hat auch sie in Gesprächen festgestellt. Denkbar, dass der offizielle Begriff „Click + meet“ („Klicken und sich treffen“) für falsche Assoziationen sorgt – denn man muss gar nichts im Internet anklicken, um persönlich ein Geschäft betreten zu dürfen. Der Begriff bezeichnet einfach nur das „Terminshopping“ beziehungsweise das Einkaufen nach Anmeldung – und die kann, wie Gade betont, auch telefonisch oder direkt an der Ladentür erfolgen, wo beim Fachhaus ein Zettel mit Kontaktdaten ausgefüllt wird oder der Check-in per Luca-App erfolgt: „Das geht eigentlich ganz entspannt, wir können auch spontan Termine vergeben.“

Darauf verweist auch Matthias Rönneberg als 2. Vorsitzender des HGV: „Jeder Betrieb hat Konzepte und Wege, den Einkauf zu ermöglichen. Man wird immer eine Lösung finden.“ Einziges Hindernis für das sofortige Betreten eines Geschäfts könnte sein, dass schon die derzeit – je nach Verkaufsfläche – maximal erlaubte Kundenzahl drin ist. Das dürfte aber recht selten der Fall sein, wie auch Rönneberg meint: „Es stehen ja in der Regel keine großen Schlangen vor den Türen.“

Und entgegen etwaigen anderslautenden Gerüchten ist auch kein Test- oder gar Impf-Zertifikat nötig, damit Eintritt gewährt wird. Ein negativer Corona-Test wird erst dann ein Thema, wenn die 7-Tage-Inzidenz wieder nachhaltig über 100 klettern sollte und der Landkreis das Ziehen der Notbremse feststellen muss. Steigt der Wert sogar über 150, dann müssen die Geschäfte wieder schließen und dürfen nur noch Ware auf Bestellung verkaufen („Click + collect“).

Thomas Wittpennig nimmt bei Kunden, die sich telefonisch in seinem Bekleidungsgeschäft erkundigen, ebenfalls „viel Unsicherheit“ wahr. Wegen der häufig wechselnden Regeln, aber nach wie vor auch wegen der Pandemie an sich: „Gerade ältere Menschen haben Bedenken, das muss man verstehen.“ Die Botschaft des Wittinger Einzelhandels lautet aber auch: Der Einkauf ist im Prinzip sicher, für jeden Besucher gibt es reichlich Quadratmeter Ladenfläche. Maskenpflicht gilt für alle Beteiligten ohnehin.

Und die Betriebe hoffen, dass die Öffnungen nun auch bald eine Belebung bedeuten. Für die Modebranche, so Wittpennig, sei die aktuelle Situation „eine Katastrophe“. Am Freitag habe er einen Kunden gehabt, am Samstag drei. Keine Schützenfeste, keine Familienfeiern, kein Sport – darunter leide der Handel mit Bekleidung enorm. Manchmal bleibe da „nur noch Galgenhumor“.

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