Der trockenste März seit 1887

Ganz so schlimm war es im März noch nicht: „fliegender Acker“ im trockenen Frühjahr 2007 bei Langenbrügge. Archivfoto: Boden

Isenhagener Land. Bis über das Wochenende hinaus zeigt sich der April von seiner unaufgeregten Seite. Bei weitgehend normalen Temperaturen von 12 bis 14 Grad am Tag und 5 bis 7 Grad in der Nacht gibt‘s wettermäßig von allem etwas: Dichte Wolken wechseln mit zeitweisem Sonnenschein, und in der zweiten Wochenhälfte dürfte hier und da auch mal ein Spritzer Regen dabei sei.

Ursache für die leicht durchwachsene Witterung sind schwache Wetterfronten vom Atlantik, die an der Nord- bis Nordostflanke eines umfangreichen Hochs über Süddeutschland und dem Mittelmeerraum nach Osteuropa ziehen. Sie führen mit lebhaften Südwest- bis Nordwestwinden mal etwas wärmere, mal etwas kühlere Meeresluft nach Norddeutschland. Einziger positiver Ausreißer ist der morgige Mittwoch, der uns durch einen Schwall subtropischer Warmluft aus Südwesten nochmals Höchsttemperaturen von 19 Grad beschert.

Der April ist für sein sprichwörtlich launenhaftes Wetter bekannt. Grund ist eine zu dieser Jahreszeit gehäuft auftretende Wetterlage mit hohem Luftdruck über dem Ostatlantik und einem umfangreiches Tiefdrucksystem über Skandinavien. Zwischen beiden Druckgebilden fließt mit nördlicher Strömung in breitem Strom hochreichend polare Kaltluft nach Mitteleuropa. Unter Tiefdruckeinfluss bilden sich über dem Kontinent durch die kräftige Frühjahrssonne dann die apriltypischen Schnee-, Schneeregen- und Graupelschauer. Zwischen den Schauern sinkt die Luft ab und es kommt zur Wolkenauflösung, sodass der April gewöhnlich zwar kühl und wechselhaft, aber insgesamt gar nicht so unfreundlich ist.

Seit etwa 20 Jahren macht der April aber auch durch zunehmende Trockenheit und – wie am vergangenen Wochenende – durch schon frühsommerliche Wärme von sich reden. In der beginnenden Vegetationsperiode bereitet dies vor allem den Landwirten Sorge, die dem Pfanzenwachstum auf leichten Böden dann schon ab Mitte April durch die Feldberegnung auf die Sprünge helfen müssen.

Wie schon die zweite Februarhälfte, so war auch der März über weite Strecken von hohem Luftdruck geprägt. Dadurch erlebte das Isenhagener Land den sonnigsten März seit 1953 – und mit 6 bis 10 Litern Niederschlag pro Quadratmeter (Wittingen-Vorhop 8,8 Liter/Quadratmeter) den trockensten März seit Beginn der Messungen in der Südheide (Celle 1887).

60 bis 75 Prozent mehr Stunden als normal schien die Sonne zwischen Aller und Elbe, während die Niederschläge, von Westen nach Osten zunehmend, nur 14 bis 35 Prozent der üblichen Monatsmengen erreichten.

Ebenso bemerkenswert: die häufig großen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht. Sie gingen auf des Konto des wolkenarmen und damit strahlungsreichen Wetters, aber auch auf die Wirkung der mitunter wüstenhaft trockenen Luft aus arktischen Breiten, mit relativen Feuchtigkeiten von teilweise zehn bis 15 Prozent. Die überdurchschnittlich milden Tagestemperaturen wurden durch die viel zu hohe Zahl frostiger Nächte weitgehend kompensiert.

So fiel der März, gemessen am Klimamittel (1961 bis 1990), im Isenhagener Land nur um wenige Zehntelgrad zu warm aus.

Von Reinhard Zakrzewski

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