Bahnstrecke Wieren-Braunschweig: Züge dürfen maximal 80 km/h fahren

Der Traum von Tempo 120

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Unbeschrankte Übergänge wie hier bei Eutzen bremsen den Erixx derzeit aus.

Wittingen/Gifhorn. Schöne neue Züge, aber keine schöne neue Geschwindigkeit: Auf der Bahnstrecke Uelzen-Braunschweig muss der Erixx zwischen Wieren und Braunschweig/Hauptbahnhof auf vielen Abschnitten mit 60, maximal 80 Stundenkilometern dahinschleichen.

Ursachen sind nach Angaben des Zweckverbands Großraum Braunschweig (ZGB) der Ausbauzustand zahlreicher Bahnübergänge und eine mitunter veraltete Stellwerktechnik.

Und daran wird sich voraussichtlich so schnell nichts ändern: Laut ZGB-Sprecherin Gisela Noske befindet man sich in „Vorgesprächen“ mit dem Streckenbetreiber DB Netz. Verbesserungen zu erreichen, sei „ein langwieriger Prozess“. Zurzeit, das bestätigte ZGB-Nahverkehrsexperte Fritz Rössig am Montag im Rahmen der Gifhorner Verkehrskonferenz, hat DB Netz die Vorgabe, den Status quo der Strecke zu erhalten – nicht mehr und nicht weniger.

Das Unternehmen Erixx, seit Dezember zwischen Uelzen und Braunschweig unterwegs, würde gern schneller fahren, darf aber aus den genannten Gründen nicht. Wo unbeschrankte Bahnübergänge sind, dürfe maximal mit Tempo 80 gefahren werden, erläutert Firmensprecher Harald Lukaschewsky. Und von diesen Übergängen gibt es an der Strecke im Zuge von Feld- und Wirtschaftswegen unzählige.

Der auf der Linie eingesetzte Zug Dinso Lint 54 schafft 140 Stundenkilometer. Im Nahverkehr ist nach Lukaschewskys Angaben kein höheres Tempo als 120 vorgesehen, doch selbst das wird derzeit nur zwischen Uelzen und Wieren erreicht – bis zum Wierener Abzweig ist die Strecke identisch mit der Ausbaustrecke Richtung Salzwedel.

Bei Erixx würde man es laut Lukaschewsky begrüßen, wenn auch der restliche Abschnitt bis Braunschweig ausgebaut wird, doch als Auftragnehmer hat das Verkehrsunternehmen darauf keinen Einfluss.

Bestellt wird die Transportleistung auf der Strecke vom ZGB, und dort stellt man sich als ersten Schritt vor, dass die DB Netz alle Bahnübergänge auf den Prüfstand stellt. Ein Auftrag dazu sei aber noch nicht erteilt, sagt Noske.

Klar ist: Soll die Linie durch beschrankte Bahnübergänge deutlich beschleunigt werden, dann kostet das eine Menge Geld. Am Montag in Gifhorn war von 450 000 Euro pro Übergang die Rede, eine Zahl, die der ZGB gestern nicht bestätigen wollte. Nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz werden die Kosten gedrittelt – neben dem Baulastträger der Schiene und Bund oder Land müsste sich auch die Kommune, der der betreffende Weg gehört, an den Kosten beteiligen. Das Interesse an diesen Ausgaben dürfte auf allen Ebenen gering sein.

Eine Prüfung der Übergänge soll daher nach Noskes Angaben auch zeigen, welche Wege beziehungsweise Übergänge vielleicht geschlossen werden können. Priorität habe für den ZGB derzeit die Einführung eines Stundentaktes – für den wird ebenfalls schon eine Menge Geld benötigt.

Von Holger Boden

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