Geschlossene Ortschaft? Das wird oft noch ignoriert oder übersehen

Transvaal und sein Tempo-Problem

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Polizeihauptkommissar Helge Reinsch peilt mit dem Tempomessgerät ein Fahrzeug an, das aus Richtung Weißes Moor kommend auf der Ortsdurchfahrt von Transvaal unterwegs ist.

Transvaal – Donnerstagmittag, kurz nach 12 Uhr, Transvaal, Bushaltestelle: Als Hauptkommissar Helge Reinsch gerade das Stativ für das Tempo-Messgerät aufstellt, kommt auch schon ein Anwohner auf ihn zu: „Schön, dass Ihr schweres Geschütz auffahrt!“

In Transvaal, das hat Reinsch dem IK vorher berichtet, freut man sich über Geschwindigkeitskontrollen. Denn dort handelt es sich nicht um irgendeine Ortsdurchfahrt.

„Wir haben da auf jeden Fall Auffälligkeiten“, sagt Reinsch. Für den Dienstabteilungsleiter des Einsatzstreifendienstes der Wittinger Polizei und seine Kollegen ist Transvaal in Sachen Tempomessung ein Schwerpunkt. „Immer wieder sagen uns Autofahrer: Wieso geschlossene Ortschaft? Hier war doch immer Tempo 70.“

Aber das ist eben seit rund fünf Jahren nicht mehr so. Damals wurden aus grünen Weiler-Schildern gelbe Ortstafeln, seitdem gilt Tempo 50 in der Ortsdurchfahrt. Die Bewohner begrüßen das Mehr an Sicherheit, auch für die Kinder, die zur Bushaltestelle gehen. „Manche Autofahrer sind aber immer noch der Meinung, sie können hier durchrasen“, sagt der Anwohner, dessen Haus – wie die meisten in Transvaal – direkt an der K 29 liegt. Zum Gewöhnungseffekt all der früheren Jahre kommt eine gut ausgebaute und breit wirkende Passage durch den Ort, und dann liegt auf der Kreisstraße ja auch viel Schichtverkehr, und der hat es oft eilig.

13 mal hat die Polizei im vergangenen Jahr die Geschwindigkeit in Transvaal kontrolliert. Im Einzugsbereich des Wittinger Kommissariats mit seinen 70 Orten waren es insgesamt 87 Messaktionen. Dafür ist nicht immer Zeit, Einsätze gehen vor.

93 Tempo-Verstöße in Transvaal mussten 2018 geahndet werden, 70 davon lagen im Verwarngeldbereich, 23 Verkehrsteilnehmer waren so schnell, dass sie ein Bußgeld zahlen mussten. Das wird ab 71 km/h fällig – 80 Euro aufwärts, plus Verwaltungsgebühren. Im April wurde ein Autofahrer mit 100 Sachen erwischt, im vierten Quartal hatte der „Spitzenreiter“ 90 auf dem Tacho – alles schon nach Abzug der üblichen Toleranz. Durchschnittstempo bei den Verstößen: 69 km/h. Das sei ziemlich viel, urteilt Reinsch: „Die Ergebnisse geben den Anwohnern Recht.“

Gestern daher wieder eine Kontrollaktion. Das Messgerät haben Reinsch und sein Kollege, Hauptkommissar Uwe Jürges, in Richtung Weißes Moor ausgerichtet. Mit dem Gerät lässt sich ein Tempoverstoß bis auf 1000 Meter Entfernung nachweisen. Von der Bushaltestelle, das zeigt die Anzeige an, sind es bis zum Ortsschild am anderen Ende über 500 Meter. Wer dichter dran ist, sollte im digitalen Display also auf 50 km/h abgebremst haben.

Wer schneller ist, wird rausgewunken. Temposünder haben dann die Möglichkeit, sofort zu bezahlen – auch per EC-Karte – oder den Betrag zu überweisen. Die zwei Beamten protokollieren den Vorgang penibel. Dass jemand seine Geschwindigkeitsübertretung nicht wahrhaben will, ist eher selten. „95 Prozent sind einsichtig“, sagt Reinsch.

Das gilt auch für den ersten Autofahrer in Richtung Knesebeck, den Reinsch gestern anpeilt – der Golf-Fahrer hat übersehen, dass Tempo 50 gilt, erkennt die ihm vorgehaltene Übertretung aber ohne Diskussion an. 35 Euro per Karte, Papiere zeigen, dann darf er weiterfahren.

War es das dann für eine Weile erstmal wieder in Transvaal? Nicht unbedingt. 13 Messungen im Jahr 2018 seien nicht gleichbedeutend mit einer pro Monat, sagt Reinsch: „Es kann auch sein, dass mal dreimal pro Woche kontrolliert wird.“

VON HOLGER BODEN

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