Hähnchenmast: Überregionale Initiative fordert Nein der Politik

Transparente vor Rats-Entscheid

Die Mast-Gegner brachten eins ihrer Transparente an den Flaggenmasten des Rathauses an. Foto: privat
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Die Mast-Gegner brachten eins ihrer Transparente an den Flaggenmasten des Rathauses an. Foto: privat

Wittingen/Ohrdorf – Die Wittinger Hähnchenmast-Diskussion ist überregional im Fokus von Mast-Gegnern. Aktivisten der niedersachsenweit agierenden „Kampagne gegen Tierfabriken“ haben am Wochenende Transparente und Fotos am Rathaus wie auch an der Stadthalle angebracht.

Sie wollen damit nach eigenem Bekunden im Vorfeld der Stadtratssitzung am 25. Juni (das IK berichtete) ihre Kritik an der Massentierhaltung untermauern und die Entscheidungsträger zu einem Nein zu den Plänen bewegen.

„Niemand vertritt die Interessen der Bürger, wenn er der Tierindustrie weiter den Weg ebnet“, heißt es in einer begleitenden Pressemitteilung der Kampagnen-Teilnehmer, die sich persönlich nicht zu erkennen geben. Ihre Argumente beziehen sich auf die Aspekte, die auch in Wittinger Fachausschüssen und vonseiten der lokalen Mast-Kritiker wiederholt vorgebracht wurden: Tierwohl, Emissionen, Grundwasserschutz. In „europäischen Tierfabriken“ lande zudem Futtersoja, für das in Südamerika große Flächen Tropenwald gerodet würden.

Wittingens Stadtbürgermeister Andreas Ritter, der am Wochenende von der Polizei über die Slogans am Rathaus („25.6.: Mastanlagen verhindern“) informiert wurde, ließ die Transparente gestern abnehmen, nahm die Sache ansonsten aber gelassen: „Eine Form der Meinungsäußerung.“ Es habe keine Sachbeschädigung gegeben, daher sehe er die Angelegenheit „unemotional“. „Allerdings“, so Ritter, „macht es mehr Sinn, miteinander zu reden.“ Er wollte daher im Vorfeld der Ratssitzung mit Vertretern der lokalen BI noch einmal das Gespräch suchen.

Die Plakataktion vom Wochenende wertete Ritter gestern als „Vorgeschmack auf Donnerstag“ – in der Erwartung, dass dann vermutlich viele Mast-Gegner zu den Besuchern der Ratssitzung in der Stadthalle gehören werden.

In der Sitzung, die um 19 Uhr beginnt, geht es um die Pläne für weitere Mastställe bei Ohrdorf. Die Stadt müsste dafür den Flächennutzungsplan anpassen. Befürworter aus Reihen des Stadtrates machen geltend, dass sie lediglich aus städtebaulicher Sicht über den Standort entscheiden, und dass die Anlage aufgrund landwirtschaftlicher Privilegierung ohnehin gebaut werden dürfe. Gegner in Reihen der Politik verweisen auf die Folgen von Massentierhaltung und plädieren für eine Absage an die Pläne. Beobachter rechnen mit einer knappen Mehrheit für das Vorhaben.

VON HOLGER BODEN

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