Kunstwerke würdigen die Stadt, ihr Handwerk und ihre Vereine

Bürgersäulen an Kaisers Eck enthüllt: „Tolle Bereicherung für Wittingen“

+
Jürgen Eimecke (v.l.) enthüllte gemeinsam mit Hartmut und David Zschumme die Bürgersäulen an Kaisers Eck.
  • Holger Boden
    VonHolger Boden
    schließen
  • Paul Gerlach
    Paul Gerlach
    schließen

Wittingen/Hankensbüttel. Ortsbürgermeister Matthias Rönneberg sah gestern eine „tolle Bereicherung für Wittingen“, und Stadtbürgermeister Karl Ridder gefällt die neue Visitenkarte der westlichen Altstadt-Zufahrt „ausgesprochen gut“: An Kaisers Eck sind gestern die drei von der Firma Zschumme gestifteten „Bürgersäulen“ enthüllt worden.

Die Idee sei noch in Kooperation mit seinem ehemaligen Kompagnon Rüdiger Wiezke entstanden, betonte Hartmut Zschumme, der die Holzsäulen gemeinsam mit seinem Sohn David und dem Bildhauer Jürgen Eimecke vor Zuschauern aus Politik und Wirtschaft präsentierte. Der alte Ortsrat um Wolfgang Trautmann hatte das Projekt noch mit auf den Weg gebracht. Der Baufirma Schulz dankte Zschumme für die Arbeit an den Fundamenten. Die Stadt will nun noch für eine Beleuchtung der Kunstwerke sorgen.

Der Standort war in Absprache mit der Polizei und Ortsbürgermeister Rönneberg gewählt worden. Der Stamm für die Kunstwerke stammt aus Knesebeck – von einer Eiche, die auf dem Grundstück von Christine Gehrmann beim Sturm am 5. Juli 2015 umknickte, wie Eimecke berichtete. Er hörte von dem Vorfall, und im August lag das Holz bereits bei ihm. Mitarbeiter von Hartmut Zschumme luden den Stamm auf einen Transporter und brachten ihn nach Hankensbüttel. Gunter und Heidi Burghard stellten die Fläche zum Lagern des Holzes zur Verfügung. Dort konnte Eimecke nach Belieben damit arbeiten. „Im frischen Zustand lässt sich Eichenholz sehr gut bearbeiten“, sagt Eimecke. Das Gewicht der einzelnen Stücke schätzt er auf bis zu eine Tonne.

Verewigt hat er unter anderem das Schuhmacher-Handwerk in früheren Zeiten, das heutige Handwerk sowie das Wittinger Vereinsleben. In Richtung Nöhre-Kreuzung blickt – in Anlehnung ans Stadtwappen der Brauereistadt – ein großer Löwen-Kopf, begleitet vom Schriftzug „Ein Wittinger“ mit einem Glas.

Alle Wittinger und die Vereine sollen Teil der Kunstwerke sein und sich darin wiedererkennen. Auf der Säule für das Schuhmacher-Handwerk prangt ein gesatteltes Pferd. Neben dem Sattler stecken hier der Gerber und der Schmied als Handwerksberufe drin. Kultur- und Landschaftsführer Hans-Joachim Michaelis lieferte den historischen Hintergrund für das gestaltete Buch auf der Säule, auf dem zu lesen ist, dass von 1826 bis 1864 in Wittingen 63 Schuhmacher-Meister wirkten. Der Hankensbütteler Dirk Schulze konnte Eimecke dafür drei Werkzeuge nennen, die von Schuhmachern verwendet werden. Außerdem fallen Amboss, Zange und ein Frauen-Stiefel ins Auge.

Bei der Säule für das heutige Handwerk ist eine Uhr mit Hammern als Ziffern zu sehen. „Der Hammer ist ein universelles Werkzeug und eine der ältesten Erfindungen der Menschheit“, sagt Eimecke. Glaserei findet sich als Handwerk mit einem Fenster als Symbol wieder, Zollstock, Winkel und Lot gesellen sich hinzu. Eine Handwerksrolle, eine Säge und ein Pinsel ergänzen das Gesamtbild.

Bei einer Säule ist auch Sport ein wichtiges Thema. Wasserball, Handball, Fußball, Kegeln, Leichtathletik, Tischtennis, Volleyball, Tanzen, Schiedsrichtern und Wandern sind dort vereint.

Eimecke hat in Zschummes Auftrag drei Monate an den Säulen gearbeitet, mit Kettensäge, Winkelschleifer, Stemmeisen, Holzknüpfel und Schnitzmessern. Der Ortsrat hatte Modelle der Säulen zu Gesicht bekommen und Vorschläge eingebracht. „Das Projekt ist wirklich toll und bereitete mir viel Freude“, sagt der Künstler.

Und ein wenig Platz ist auch noch auf den Säulen. „Wenn noch Anregungen kommen, können wir noch etwas dazuschnitzen“, sagte Hartmut Zschumme.

Von Paul Gerlach und Holger Boden

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare