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Tiefflugstrecke contra Windpark: Situation bei Stöcken noch ungelöst

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Von: Holger Boden

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Die Skizze zeigt die Lage des geplanten neuen Windparks bei Stöcken.
Die Skizze des Regionalverbands Braunschweig zeigt das Vorranggebiet für Windkraft im Bereich Stöcken/Rumstorf. Schraffierte Bereiche sind nach der bisher geltenden Planung nicht als Windrad-Standort vorgesehen. © Regionalverband Großraum Braunschweig

Stöcken – Rotoren, die Rotoren im Weg stehen: Das ist die Ausgangslage beim geplanten Windpark im Bereich Stöcken/Rumstorf. Wegen einer Tiefflugstrecke für Hubschrauber stocken die Planungen. Ein Scheitern des seit vielen Jahren feststehenden Vorrangstandorts könnte dazu beitragen, dass Windkraft-Wildwuchs in bisher nicht dafür auserkorenen Bereichen stattfindet.

Friedrich Lührs als Sprecher der Eigentümer-Gemeinschaft weiß, dass Investoren nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg von Mitte Dezember durchaus auf Flächen schielen, die nicht vom Regionalverband Braunschweig im Zuge der regionalen Raumordnung ausgewiesen wurden. Noch sind die konkreten Folgen des Richterspruchs nicht ganz klar, in Braunschweig will man nach Erhalt der Urteilsbegründung die Sache juristisch prüfen.

Klar ist: Im Handstreich lassen sich Windparks außerhalb der Vorrangflächen auch nicht realisieren. Investoren müssten für das Planverfahren eine Reihe von Gutachten beibringen, was neben neuen Kosten auch Zeitverzug mit sich brächte. Im Wittinger Stadtgebiet liegen die Vorrangstandorte bei Teschendorf, Suderwittingen, Lüben, Vorhop und eben Stöcken.

Lührs würde gern an den Plänen festhalten, die auf Basis des regionalen Raumordnungsprogramms entwickelt wurden. Widerstand aus der Bevölkerung sei ihm nicht bekannt. Bei dem Vorhaben geht es zunächst um fünf weitere Anlagen, zudem wird ein Repowering der drei vorhandenen Windräder avisiert – also der Ersatz der vorhandenen 100-Meter-Anlagen durch deutlich höhere. Unter den neuen Bedingungen könne nun allerdings auch der Bau dreier weiterer Windräder auf einer östlichen Teilfläche ein Thema werden, sagt der Rumstorfer. Am Ende könnten sich also elf Rotoren drehen.

Bleibt aber noch die Frage der Tiefflugstrecke. Der Interessenkonflikt zwischen Windpark-Planungen und Korridoren für Hubschrauber ist kein Thema, das Stöcken exklusiv hat – die Abwägung militärischer und energiepolitischer Ziele beschäftigt inzwischen bundesweit Kommunen, Investoren, Gerichte und natürlich die Bundeswehr.

Die hatte zwischenzeitlich erklärt, bereits früh im fast zehnjährigen Planungsstadium auf die Tiefflugstrecke bei Stöcken hingewiesen zu haben – und dass man diese regelmäßig als Ausschlusskriterium für Windräder betrachte. Die Sache beschäftigt deshalb auch längst die hohe Politik. Lührs hatte sich seinerzeit mit der Bitte um Unterstützung an den vormaligen niedersächsischen Umweltminister Olaf Lies (SPD) gewandt und hat nun auch an dessen Nachfolger Christian Meyer (Grüne) geschrieben. Zudem will er demnächst mit der Nordkreis-Abgeordneten Kirsikka Lansmann (SPD) sprechen, mit ihrem Parteikollegen Philipp Raulfs hat er das bereits getan. „Wir wollen politischen Druck aufbauen“, sagt Lührs.

Nach seinen Informationen wollte die Bundeswehr bis Ende November prüfen, inwiefern die Tiefflugstrecke verzichtbar sein könnte. Eine denkbare Lösung könne ansonsten auch eine sogenannte „kleinräumige Verlegung“ des Korridors sein. Dafür, so Lührs, sei inzwischen sogar eine umweltfachliche Prüfung des Landkreises erfolgt, mit dem Ergebnis, dass es keine Bedenken gebe.

Der Rumstorfer hält eine Verlegung damit für „fachlich machbar“, man müsse sich aus seiner Sicht nur zu dem entsprechenden „juristischen Vorgang“ durchringen.

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