Taxi zum Gänsemarkt

Ob er hier schon aufs Taxi wartet, wissen wir nicht: Michy Reincke kommt aber auf jeden Fall zum Wittinger Sommerfest. Foto: privat

Wittingen/Hamburg. Er ist für mindestens einen modernen Klassiker verantwortlich: Sein „Taxi nach Paris“ wird wohl auch im Jahr 2050 in keiner Anthologie der ohrwurmigsten deutschen Popsongs der 80er Jahre fehlen.

Am 25. Juni dürfte das Taxi auch durch Wittingen rollen – denn dann gibt sich Michy Reincke als Hauptact des Sommerfestes die Ehre, in der Brauereistadt aufzutreten.

Die Fans freilich sind gespalten. Denn mit dem atmosphärischen „Nächte übers Eis“ legte Reinckes Band Felix de Luxe 1984 gleich noch eine ganz große Songperle vor, und mancher würde diesen Titel vielleicht sogar noch eher mit auf die berühmte einsame Insel nehmen. Man darf wohl davon ausgehen, dass beim Wittinger Konzert beide Fraktionen zu ihrem Recht kommen werden.

Und dann waren da ja noch das kultige „Eddie ist wieder da“ und später, vom Solo-Künstler Reincke, die Hits „Valerie, Valerie (schön wie nie)“ oder „Für immer blond“. Und vieles mehr. Der Hamburger Musiker kann also auf ein beachtliches Repertoire zurückgreifen, wenn er mit seiner aktuellen Band in Wittingen die Bühne am Gänsemarkt betritt.

Bei einem Konzert in Hamburg hat Reincke Anfang Mai sogar zwei seiner größten Gassenhauer gleich zu Beginn gespielt – das macht man nicht, wenn einem die eigene musikalische Karriere zu wenig Anlass für Selbstvertrauen bietet.

Als Felix de Luxe es Mitte der 80er auf die große Bühne schafften, war gut gemachter Pop aus deutschen Landen nicht gerade das große Ding der Stunde. Die Neue Deutsche Welle hatte sich gerade totgelaufen, die klassischen Liedermacher ließen sich von ihrem Nischenpublikum pflegen, und alles andere musste sich erst einmal des pauschalen Schlagerverdachts erwehren.

Kein einfaches Umfeld also, aber Reincke und die Charts wurden Freunde. Wobei man ihm nicht vorwerfen kann, um jeden Preis auf Massenkompatibilität zu schielen. So hat er zwar jüngst seine größten Hits noch mal neu eingespielt – doch nicht als billige Selbstkopie und für den schnellen Schein. Das Album „Palais Salam“, im Oktober letzten Jahres erschienen, ist vielmehr eine entspannte, reduzierte Produktion, bei der der Vollblutmusiker seine Band- und Soloklassiker im Spannungsfeld von Jazz, Folk, Blues, Chanson und Pop arrangiert hat. Eine oft eher leise Angelegenheit.

Dass auf der Wittinger Bühne in sechs Wochen neben dem Taxi trotzdem auch die Post abgeht, davon darf man wohl getrost ausgehen. Vielleicht wird’s ja sogar „schön wie nie“.

Von Holger Boden

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