Austritte und demografischer Faktor: Mitgliederzahl im Kirchenkreis Wittingen rückläufig

176 Taufen, 295 Beerdigungen

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Blick ins Gesangbuch: Die Kirche verzeichnet auch im Kirchenkreis Wittingen rückläufige Mitgliederzahlen.

Wittingen. Der Kirchenkreis Wittingen ist ein Jahr vor seiner Fusion mit Wolfsburg weiter im Schrumpfen begriffen. Eine vergleichsweise geringe Zahl von (Wieder-)Eintritten kann die Austritte und den demografischen Faktor nicht ausgleichen.

Aktuell hat der Kirchenkreis nach Angaben von Superintendent Martin Berndt 21 198 Mitglieder. Ende 2005 waren es noch 23 230, Ende 2001 – eine Zahl des Kirchenkreisamtes – noch 23 980. In den letzten sechs Jahren hat der Kirchenkreis also 8,7 Prozent seiner Mitglieder verloren, im Zehnjahresvergleich sind es 11,6 Prozent.

Immerhin: Noch sind zwischen Brome und Bokel, Steinhorst und Schönewörde 71,2 Prozent der Einwohner Mitglied der evangelisch-lutherischen Kirche. „Das ist noch ganz ordentlich“, urteilt Berndt. Die Landeskirche Hannover kommt mit ihren Mitgliedern auf einen Wert von etwa 50 Prozent der Bevölkerung in ihrem Einzugsgebiet. Die Zahlen der Superintendentur zeigen nach Berndts Angaben, dass diese vergleichsweise geringe Zahl auch in einigen kleinen Dörfern des Nordkreises erreicht wird, während andere Orte es auf 90 Prozent bringen.

Positiv für den Kirchenkreis: Die Zahl der Austritte zeigte zuletzt eine leicht rückläufige Tendenz. Kehrten im Jahr 2007 noch 91 Menschen der Kirche den Rücken, so waren es 2008 noch 80, 2009 noch 75 und 2010 „nur“ noch 63. Für 2011 liegen noch keine Zahlen vor.

Die Zahlen der Eintritte bewegen sich auf einem deutlich niedrigeren Niveau – aber immerhin: Es gibt sie. 32 im Jahr 2007, dann 25, dann 26, und im Jahr 2010 schließlich 24. „In der Regel sind es Rückkehrer“, sagt Berndt.

Hürden für den Wiedereintritt gibt es nicht – niemand muss in diesem Fall einen Psalm aufsagen oder aus dem Katechismus zitieren. „Das geschieht im Rahmen eines ganz normalen Gespräches“, sagt Berndt. Eine spezielle Wiedereintrittsstelle wie in Gifhorn gibt es nicht, wer zurück in die Kirche will, kann sich jederzeit im Rahmen der Öffnungszeiten an das Kirchenbüro an der Junkerstraße wenden.

Warum Menschen überhaupt austreten, darüber bekommt der Kirchenkreis laut Berndt im Einzelfall selten direkte Rückmeldung. Aus Gesprächen hat er mitgenommen, dass oft eher überregionale Gründe angeführt werden – etwa die nicht immer ruhmreiche Geschichte der Kirche an sich. In aller Regel gehe es aber auch ums Geld. Vor ein paar Jahren seien die Austrittszahlen mal in die Höhe geschnellt, als VW in größerem Rahmen Abfindungen zahlte – die Empfänger dieser Zahlungen hatten also steuerliche Gründe für ihren Kirchenaustritt.

„Jeder Austritt schmerzt“, sagt Berndt, und auch wenn die finanziellen Aspekte evident sind, stelle man sich an der Kirchenkreisspitze schon die Frage: „Warum erreichen wir diese Menschen nicht mehr?“

Neben den Austritten wiegt der demografische Faktor allerdings noch viel schwerer. 2007 standen 260 Beerdigungen im Kirchenkreis noch 252 Taufen gegenüber. Dann begannen die Zahlen der neuen Erdenbürger einzuknicken, 2010 waren es nur noch 176 Taufen – bei mittlerweile 295 Beerdigungen. Der zunehmende Nachwuchsmangel ist auch schon bei der Zahl der Jugendlichen in der Kirche zu spüren: 353 Konfirmationen gab es 2007, 294 waren es im Jahr 2010.

Der Trend dürfte anhalten, Berndt kennt die Prognosen. Demnach wird bis 2030 ein allgemeiner Rückgang der Kirchenmitglieder um 20 bis 30 Prozent erwartet. Vielleicht kommt ja der dann längst nicht mehr selbstständige Raum des Kirchenkreises Wittingen ein bisschen besser weg: Bei der letzten Kirchenwahl im Jahr 2006 gingen hier noch 35 Prozent der Mitglieder an die Urnen und demonstrierten so ihr Interesse. Das war, so Berndt, „der höchste Wert in der Landeskirche“.

Von Holger Boden

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