Isenhagener Land: Keine angemessene Bezahlung für Mitarbeiter? Dachdecker im Nordkreis weisen Vorwürfe zurück

Tarifkonflikt und Fachkräftemangel im Dachdeckerhandwerk: „Die wären ja weg“

Dachdecker bei der Arbeit: Branchenvertreter aus dem Nordkreis haben jetzt Vorwürfe zurückgewiesen, trotz guter Auftragslage zu geringe Löhne zu bezahlen.
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Dachdecker bei der Arbeit: Branchenvertreter aus dem Nordkreis haben jetzt Vorwürfe zurückgewiesen, trotz guter Auftragslage zu geringe Löhne zu bezahlen. 

Isenhagener Land. Im Tarifkonflikt im Dachdeckerhandwerk melden sich nun Betriebe aus dem Isenhagener Land zu Wort. Der Tenor: Man bezahle seine Mitarbeiter durchaus angemessen, die von der IG BAU erhobenen Vorwürfe (IK vom 8. Oktober) seien „nicht fair“.

Das sagt zum Beispiel Harald Karstens, Geschäftsführer der gleichnamigen Dachdeckerfirma in Sprakensehl: „Wir sind nicht tarifgebunden, aber wir nehmen die Tarife als Richtschnur bei der Entlohnung.“ So orientiere der Betrieb sich etwa bei der Entlohnung von Altgesellen am Bundesecklohn, das sind derzeit etwas mehr als 18 Euro pro Stunde.

Karstens verweist darauf, dass für hiesige Dachdeckerbetriebe durch die nahe Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt und die im Nachbarland ansässigen Mitbewerber ein gewisser Preisdruck bestehe – trotzdem wolle er gute Konditionen für seine Mitarbeiter bieten. Anders gehe das auch gar nicht in der aktuellen Situation des vieldiskutierten Fachkräftemangels: „Die wären ja weg“, sagt Karstens mit Blick auf den Kampf der Firmen um die besten Kräfte. Der Sprakensehler Unternehmer sagt, er wolle auch gern die Möglichkeit haben, gute Leistung durch gute Bezahlung zu honorieren. Sein Eindruck: „Die Mitarbeiter sind eigentlich zufrieden.“

Die IG BAU hatte angemahnt, das Dachdeckerhandwerk müsse bei der Bezahlung „deutlich attraktiver“ werden. Die Gewerkschaft hatte unter anderem ein Lohn-Plus von 6 Prozent gefordert – auch mit Blick auf „volle Auftragsbücher und gute Umsätze“.

Dazu sagt der Wittinger Dachdecker Hartmut Zschumme: „Ja, die Auftragsbücher sind voll, aber die Umsätze sind nicht besser geworden. Es gibt bekanntlich keine zusätzlichen Gesellen oder Lehrlinge auf dem Markt, um mehr Aufträge abzuarbeiten.“ Zudem hätten die Betriebe höhere Ausgaben, etwa für Diesel oder Material. Auf der anderen Seite könne man „nicht einfach die Preise und den damit verbundenen Stundenlohn erhöhen – das würden uns die Kunden übel nehmen. Wir wollen auch in schlechten Zeiten Aufträge bekommen.“ Zschumme versichert: „Wir sind bestrebt, unsere Mitarbeiter nach ihren Fähigkeiten ausreichend zu bezahlen.“

Von Holger Boden

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