Suche nach dem freien Plätzchen

Wittingen. Kurz vor 12 Uhr nimmt das Chaos seinen Lauf – High Noon vor der Wittinger Grund- und Hauptschule. Autos rollen an, parken, stoßen zurück, es beginnt die Suche nach dem letzten freien Plätzchen. Dazwischen Eltern, die ihre Kinder durch das Durcheinander geleiten, Kinder, die sich zu Fuß oder per Fahrrad allein auf den Nachhauseweg machen. Die Fahrbahn der Bürgermeister-Heins-Straße teilen sich Fahrzeuge – in beiden Richtungen – mit Fußgängern. Mittendrin im Getümmel ein Rettungswagen, zum Glück ohne Blaulicht und damit ohne Eile. Weil mittlerweile durch den Rückreiseverkehr des Kindergartens auch auf der Dammstraße nicht mehr viel geht, staut sich der Verkehr bis zur Schule zurück.

Ortsratsmitglied Wolf-Ingo Bellin (CDU) hat sich die Mühe gemacht, die Szenerie einmal zu filmen. Die Uraufführung des Streifens fand am Dienstagabend in der Sitzung des Ortsrates statt, weil es um die künftige Gestaltung der Bürgermeister-Heins-Straße gehen sollte. In der Vorlage für die Lokalpolitiker war zudem die Rede davon, dass über den Kreuzungsbereich mit der Gustav-Dobberkau-Straße zu diskutieren sei. Während für die Bürgermeister-Heins-Straße nach intensiver Diskussion eine neue Empfehlung verabschiedet wurde, bleiben für die als unübersichtlich geltende Kreuzung viele Fragen offen.

„Das Problem ist die An- und Abfahrt durch uns Eltern“, räumte der Elternratsvorsitzende Christian Hinze-Riechers ein, der den Kreuzungsbereich als „Nadelöhr“ bezeichnete. „Zum Glück ist noch nichts passiert, aber das kann auf Dauer so nicht gutgehen.“

Doch wo sollen sie auch hin, die Eltern. Über eine neue Wendemöglichkeit wurde am Dienstag nicht diskutiert. Die Verwaltung hatte diese Option im Vorfeld als zu teuer bezeichnet. Bauamtsleiter Albert Soltau kündigte an, durch „Freischneiden“ mehr Verkehrssicherheit zu schaffen, zudem kann man sich im Rathaus andere Beschilderung und unterschiedliche Pflasterungen vorstellen.

Der Ortsrat befasste sich aber vor allem mit der Frage, ob der Fußweg von der Dammstraße her auf der Nord- oder Südseite der Bürgermeister-Heins-Straße verlaufen solle. Man war sich schnell einig, dass der Bürgersteig auf jeden Fall hinter den Parkplätzen (die weiter senkrecht zur Straße angelegt werden sollen) und auf derselben Seite der Fahrbahn angelegt werden sollte. Am Ende gab es bei einer Enthaltung ein Votum von 4:2 für Gehweg und Parkbuchten auf der Nordseite.

Die Befürworter, zu denen auch Ortsbürgermeister Wolfgang Trautmann (SPD) und Jens König (CDU) gehörten, argumentierten, dass die Verbindung für Fußgänger dann am gefahrlosesten auf die Schule zuführe. Liege der Fußweg auf der Südseite der Fahrbahn, dann müsse auf der Höhe des Junkerhofes noch einmal die Straße überquert werden – auch, um zu den dann ebenfalls auf der Junkerpark-Seite gelegenen Parkplätzen zu gelangen.

Dieses Problem wird sich einem Teil der Schüler freilich auch in der Einmündung der Bürgermeister-Heins-Straße in die Dammstraße stellen, je nachdem, von wo sie kommen. Aus welcher Richtung morgens die Mehrheit anmarschiert, darüber gingen die Meinungen auseinander.

Möglicherweise werden sieben bis acht der geplanten 30 Parkbuchten als Kurzzeit-Parkplätze ausgewiesen. Jens Oldenburg (FWG) fragte an, ob man nicht eine noch befriedigendere Lösung für die Eltern schaffen könne. Die Frage blieb unbeantwortet – man fügte sich der Erkenntnis, wohl kaum jemals genug Kurzzeit-Parkraum vorhalten zu können. Offenbar wird sogar der Krankenhaus-Parkplatz von Eltern mitgenutzt.

Einen ganz anderen Gedanken brachte Hans-Jürgen Schindler (SPD) ins Spiel: Er regte an, über eine Einbahnstraßenregelung und eine damit verbundene Freigabe des Verkehrs in Richtung ehemalige Post/Junkerstraße nachzudenken. Das entzerre die Situation und bringe, „ganz im Sinne von QiN“, Verkehr in die Stadtmitte. Den übrigen Rat konnte Schindler damit kaum begeistern. Wolf-Ingo Bellin fürchtete, dass daraus eine „heimliche Umgehung“ der Nöhre-Kreuzung werden könne. Zudem wurden Bedenken geäußert, dass die vorhandene Fahrbahnsubstanz in Richtung Post für den motorisierten Verkehr nicht ausreichen dürfte.

Von Holger Boden

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