Eine Un-Selbstverständlichkeit

RB 47: Was der Stundentakt für den Nordkreis bedeuten kann

Ein Erixx verlässt den Bahnhof Knesebeck in Richtung Süden – demnächst noch öfter.
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Ein Erixx verlässt den Bahnhof Knesebeck in Richtung Süden – demnächst noch öfter.

Wittingen/Braunschweig – Noch ein gutes halbes Jahr, dann werden Wittingen und benachbarte Bahnhofsorte Außergewöhnliches erleben: Mitte Dezember, zum traditionellen Fahrplanwechsel, wird auf der Regio-Bahn-Strecke 47 der Stundentakt eingeführt.

Dass es dazu kommt, ist nicht unbedingt selbstverständlich, denn die Existenz der Verbindung von Uelzen über Wittingen nach Braunschweig war jahrzehntelang in Frage gestellt.

Doch nun stehen die Weichen auf Zukunft. Der Regionalverband Großraum Braunschweig, zuständig für den ÖPNV in der Region, ist die treibende Kraft bei den Bemühungen um den Stundentakt. In den letzten Jahren gab es dabei freilich einige Rückschläge: Oft angekündigt, wurde der Startschuss wiederholt verschoben. Nun sind offenbar alle Hausaufgaben gemacht – und das genau 120 Jahre nach Inbetriebnahme des Abschnitts zwischen Triangel und Wieren.

Der Tiefpunkt war vermutlich 2004 erreicht. Die Gleise waren streckenweise in einem so schlechten Zustand, dass die damals noch eingesetzten roten Wagen der DB zwischen Wittingen und Wahrenholz abschnittsweise mit 10 km/h dahinzockelten. Ein Bahnhof wie Wittingen präsentierte sich seinerzeit in einem vernachlässigten Zustand.

Auf Fahrgäste wirkte das alles freilich nicht attraktiv. So erinnert auch der Verbandsvorsitzende Detlef Tanke daran, dass „jahrzehntelang leere Züge von Braunschweig nach Uelzen“ gefahren seien. Mit dem Stundentakt und den damit verbundenen umfangreichen baulichen Verbesserungen an und auf der Trasse werde aus der Strecke ein „Schmuckstück“.

Der Regionalverband feiert die Fortschritte auf der oft totgesagten Strecke schon jetzt mit einer Broschüre, die auf mehr als 30 Seiten die Vergangenheit der Strecke und mehr noch die mit ihrer Ertüchtigung verbundenen Hoffnungen auslotet. Seit 2014 rollen die modernen Triebwagen unter Erixx-Ägide. Wenn die Züge nun noch häufiger fahren, dann werden – davon ist man in Braunschweig überzeugt – Pendler ebenso profitieren wie deren Arbeitgeber. Orte an der RB 47 könnten als Wohnort an Attraktivität gewinnen.

Auch für den Tourismus werden positive Effekte erwartet, zumal über Uelzen und Braunschweig Verbindungen nach Hannover und Hamburg bestehen. Nicht zuletzt glauben die Verantwortlichen, dass auch Bürger der Region die Bahn als Verkehrsmittel für Freizeitfahrten entdecken.

Abgeschlossen sind die Verbesserungen Ende des Jahres noch nicht. Langfristig sollen beispielsweise auch die Stationen Schönewörde und Vorhop barrierefrei modernisiert werden. Die Planungen dafür befinden sich allerdings laut Regionalverband noch in einer frühen Phase. Nördlich von Wittingen sollen auch in Uelzen, Wieren und Stederdorf neue Bahnsteige geschaffen werden. Weiter südlich sollen ab 2025 in Bienrode und Isenbüttel zwei komplett neue Stationen entstehen.

VON HOLGER BODEN

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