Feuerwachturm im Malloh abgerissen / Kameras überwachen die Wälder

156 Stufen in der Waagerechten

Mitarbeiter der Firma Bosselmann gestern Morgen bei den Vorbereitungen für die Turmfällung.

Transvaal. „Baum fällt“, schallt es normalerweise bei der Waldarbeit durchs Gebüsch. Im Forst Malloh durften gestern Morgen die Bäume stehenbleiben, stattdessen hieß es: „Turm fällt!“ Der stählerne Feuerwachturm ist nach 40 Jahren Geschichte.

Unter der Aufsicht von Revierförster Jürgen Marks brachten Mitarbeiter des Metallhandelunternehmens Bosselmann aus Schneverdingen den 36 Meter hohen Gitterturm in die Waagerechte. Ein Zugseil, an einem Lkw montiert, sorgte für eine Punktlandung parallel zum Waldweg. „Ich bin froh, dass alles glatt gegangen ist“, sagte Marks nach der „Fällung“.

Das neue Kamera-System, mit dem die Wälder in Nordostniedersachsen überwacht werden, hatte den von den Landesforsten betriebenen Turm überflüssig gemacht. 1971 erbaut, war das stählerne Konstrukt bei zwei großen Waldbränden dicht an den Orten des Geschehens: 1975, als die Waldbrandkatastrophe auch das Gebiet um Stüde erfasste, um 1983, als in unmittelbarer Nähe auf dem Testgelände ein Feuer ausgebrochen war, das schließlich zum Katastrophenalarm führte.

Immer wenn es heiß und trocken wurde, wurde der Turm besetzt. Waldbrandstufe 4 war das Kriterium, sagt Reiner Baumgart, Pressesprecher der Landesforsten in Nordostniedersachsen. Forstleute, Feuerwehrmänner, Schüler, Studenten – eine bunte Mischung von Waldbrandwächtern ist im Laufe der Jahre die 156 Stufen in die „Glaskuppel“ emporgeklettert, um den Blick über die Wipfel schweifen zu lassen.

Mit Telefon, Funk oder Handy – je nach Stand des technischen Fortschritts – wurde Alarm gegeben, wenn irgendwo am Horizont Rauch aufzusteigen schien. Neben der Erst-Erkennung eines Feuers war die Aufgabe des Turms auch, bei der schnellen Lokalisierung zu helfen. Dies gelang mit Hilfe der Kreuzpeilung mit den Koordinaten aus mehreren Türmen, von denen aus der Rauch beobachtet wurde.

„Das war kein begehrter Posten“, weiß Marks. Denn in dem Raum mit den großen Fenstern wurde es, wenn draußen trockene Hitze herrschte, natürlich auch brütend heiß. 45 Grad Celsius waren keine Ausnahme.

Der letzte Feuerwächter im Malloh schloss 2010 die Tür hinter sich zu. Seit letztem Jahr ist in Nordostniedersachsen ein Kamera-System für die Waldüberwachung im Einsatz, seit diesem Jahr in vollem Umfang. An 17 Standorten machen Kameras, in 50 Metern Höhe montiert, bei Waldbrandgefahr ständig Fotos von allen Himmelsrichtungen und liefern ihre Daten an eine Zentrale, die bei der Lüneburger Leitstelle angesiedelt ist. Dort gibt es vier Operatorenplätze, an denen Forstwirte die Bilder auswerten. 16 000 Grauwerte in der Bilddarstellung sollen es erlauben, verdächtige Rauchentwicklungen schnell zu erkennen.

Laut Baumgart hat sich das System bereits gut bewährt. Über 100 Brände seien von den Kameras im trockenen Frühjahr 2011 entdeckt worden, viele davon auf Truppenübungsplätzen. Die Standorte, die am dichtesten am bisherigen Überwachungsort Malloh liegen, sind Radenbeck, Sassenburg, Bad Bodenteich und Dalle bei Eschede.

Von Holger Boden

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