Stöckener Wehr am Ende

Hier wird künftig nicht mehr ausgerückt: das Stöckener Gerätehaus.

Stöcken - Von Holger Boden. Erst Anfang der Woche berichtete Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann über sich abzeichnende Personalprobleme bei der Feuerwehr. In Stöcken hat diese Entwicklung schon voll durchgeschlagen – die Ortswehr steht vor der Auflösung.

Wie jetzt bekannt wurde, kam es am Sonntagvormittag zu einer Sitzung, an der auch Stadtbrandmeister Heinrich Kruse und Stadtbürgermeister Karl Ridder teilnahmen. „Es gab eine Abstimmung darüber, die Wehr aufzulösen“, bestätigte Ridder auf IK-Nachfrage. Das Kommando sei geschlossen zurückgetreten, niemand wolle die Funktionen übernehmen.

Hintergrund ist eine Entwicklung, die sich schon länger abgezeichnet hat. Bereits 2006 hatte es massive Kritik an der Einsatzbereitschaft einiger Kameraden gegeben. Bei der Versammlung im Frühjahr dieses Jahres wies Ortsbrandmeister Christian Dobberstein einmal mehr deutlich auf die mangelnde Beteiligung vieler Mitglieder hin. Diese fehlende Einsatzbereitschaft war für Dobberstein, der für das IK gestern nicht zu erreichen war, nun offenbar nicht mehr zu akzeptieren und Anlass, die Reißleine zu ziehen.

„Ich habe Hochachtung vor dem Schritt des Ortsbrandmeisters, der diese Situation nicht mehr verantworten kann“, sagte Stadtbrandmeister Kruse, der sich von der bevorstehenden Auflösung sehr betroffen zeigte, dem IK. Trotz Alarms habe die Ortswehr in zwei Fällen nicht ausrücken können, weil dafür das geeignete Personal fehlte. Auch Ridder weiß um die Probleme: „Die Mindeststärke wurde von der Papierform her noch gerade so erreicht. Doch dann stellt sich die Frage: Wer ist effektiv dabei?“

Der Rathauschef kennt die Ursachen, die dem Personalmangel teilweise zugrunde liegen: Ungünstige Arbeitszeiten und Schichtdienste sind gerade für kleinere Wehren ein großes Problem. Kruse hätte, nach Appellen des Kreisbrandmeisters und einer Extra-Dienstversammlung mit den Nachbar-Ortswehren, allerdings auch auf mehr Unterstützung aus dem Ort gehofft: „Es gab keine Eintritte und keine Resonanz aus der Bevölkerung.“ Im Frühjahr waren 22 aktive Mitglieder registriert, laut Kruse gab es zuletzt aber einen „harten Kern“ von lediglich neun Leuten. Ende 2007 hatte die Stöckener Wehr ein neues Fahrzeug erhalten: „Da hatte man gehofft, dass noch einmal ein Ruck durch die Wehr geht“, sagt Kruse.

Ohne Stöcken wird die Stadt Wittingen künftig nur noch 16 statt 17 Ortswehren haben. „Der Brandschutz ist trotzdem sichergestellt“, betont Ridder. Die Aufgaben würden nun von Nachbarwehren wie Gannerwinkel, Lüben und Wittingen übernommen.

Für eine Weile wird die Stöckener Ortswehr noch offiziell existieren. Das Dienstverhältnis der Ehrenbeamten im Kommando kann nicht einseitig aufgekündigt werden. Ridder verweist darauf, dass der Rat sie ernannt hat und sie auch wieder durch ein Votum entlassen müsste. Etwas anderes, so schätzt auch Ridder, wird den Lokalpolitikern bei ihrer Sitzung im September aber kaum übrig bleiben.

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