Reinigung der Stadtbücherei läuft nach Brand auf Hochtouren / Eröffnung ist für Januar geplant

Mit Staubsauger und Schwamm

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Echte Handarbeit: Auf ganz klassische Weise entfernen die Arbeiter der Sanierungsfirma den Ruß von den Büchern.

Wittingen. Auch zwei Wochen nach dem Feuer in der Wittinger Stadtbücherei hängt noch immer Brandgeruch in der Luft. Wände, Decken und Böden in allen Stockwerken des Gebäudes sind von einer feinen Rußschicht überzogen.

Sie ist die Ursache des leichten Halskratzens, das sich beim Aufenthalt in den Räumen bemerkbar macht. Deshalb trägt Bücherei-leiterin Ellen Kübel auch einen Mundschutz. Und dennoch herrscht in diesen Tagen emsiges Treiben in der Bücherei: Mitarbeiter einer Fachfirma aus Hannover reinigen zurzeit die Bücher und die übrigen Medien – ganz klassisch mit einem Staubsauger und feuchten Schwämmen.

„Lüften wäre jetzt völlig verkehrt, denn dadurch würden die Rußpartikel überall verteilt“, erklärt Sven Zaft, Sachbearbeiter im Bau- und Umweltamt der Stadt Wittingen. Stattdessen bleiben die Fenster geschlossen, die Rußpartikel sollen zu Boden sinken und können dann weggesaugt werden. Zum Schluss werden die Teppiche und Fußböden shampooniert.

Noch immer ist es für Zaft ein Rätsel, warum Unbekannte in der Nacht zum 16. Dezember den Rückgabeschlitz der Bücherei und die dahinter liegende Holzrutsche angezündet haben. Offenbar warfen sie einen Knallkörper hinein (IK berichtete). Der verursachte zwar kein größeres Feuer, doch das Innere des Gebäudes wurde durch die Rauchentwicklung erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Die Schadenshöhe beträgt nach Auskunft von Zaft „deutlich mehr als 10 000 Euro“. Für die Begleichung komme aber die Versicherung der Bücherei auf.

Doch die Sanierung des Gebäudes wird noch einige Zeit dauern. Gestern hat ein Elektriker die verschmorten Kabel in dem Raum erneuert, in dem sich die Rückgabeklappe befindet. Zudem soll ein Tischler eine Holztür, die sich durch den Schwelbrand verzogen hatte, austauschen. Nicht zuletzt wird ein Maler mehrere Wände neu streichen. „Das Ganze ist wirklich ärgerlich: Nur zwei Tage vor dem Brand hatte er den Rückgaberaum komplett gestrichen“, berichtet Zaft.

Unterdessen sind im ersten Stock der Bücherei Dutzende Umzugskartons gestapelt. In sie packen die Mitarbeiter der Sanierungsfirma die gereinigten Bücher, bevor diese in der örtlichen Realschule zwischengelagert werden. Doch während sich die Bücher recht problemlos säubern lassen, ist für die Klinkerwände eine wesentlich aufwändigere Methode erforderlich: Dort wird eine spezielle Latexschicht aufgesprüht. „Das Ganze härtet aus und kann dann von den Wänden abgezogen werden. Dabei lösen sich alle Rußpartikel ab“, erläutert Zaft das neuartige Verfahren, mit dem die Arbeiter am kommenden Dienstag beginnen wollen.

Mitte Januar soll die gesamte Sanierung abgeschlossen sein, so sieht es der Zeitplan der Fachfirma vor. „Unser Ziel ist, die Bücherei schnellstmöglich wieder zu öffnen“, betont Zaft. Wann das genau sein wird, kann er noch nicht sagen. Zaft hofft aber auf den Januar. Bis dahin wird die Ausleihfrist der Medien verlängert. Nähere Informationen erteilt die Bücherei auf ihrem Anrufbeantworter unter der Rufnummer (05 81) 99 33 18.

Zu den Hintergründen des Brandes und den möglichen Tätern hält sich die Polizeiinspektion Gifhorn derzeit sehr bedeckt. „Aus ermittlungstaktischen Gründen können wir dazu noch nichts sagen“, bittet Polizeisprecher Thomas Reuter um Verständnis. Er sagt nur so viel: „Wir ermitteln zurzeit in mehrere Richtungen.“

Von Bernd Schossadowski

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