Diskussion im Rathaus

„Mut zu reden Tour 2019“: Starker Impuls aus Wittingen

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Experten und Unterstützer mit Merlin Beyer (l.) und Mark Bialas.

Wittingen – Als Merlin Beyer und Mark Bialas Mittwochnachmittag auf ihren Fahrrädern mit einer kleinen Eskorte aus Knesebeck am Wittinger Rathaus einrollten, warteten schon Mitschülerinnen mit einem selbstgemachten Banner auf die beiden 14-Jährigen: ein warmer Empfang für die zwei Schüler der Wittinger IGS, die in dieser Woche von Goslar bis Rostock radeln, um das Thema Depressionen in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.

Netter Empfang für die zwei Radfahrer vor dem Rathaus.

„Das ist eine nicht ganz einfache Thematik, die viel zu wenig öffentlich angesprochen wird“, sagte dann auch Bürgermeister Karl Ridder bei der Eröffnung des „Round Table“-Gesprächs im Ratssaal vor 50 Teilnehmern. Mark und Merlin, die die „Mut zu reden Tour 2019“ mit Hilfe der World Youth Expedition (Wolfsburg) selbst initiiert haben, ernteten viel Lob für ihre Courage. Ingo Dettmer vom Gifhorner Hilfsverein Stellwerk sagte: „Das ist eine richtige Steilvorlage für unser Bemühen, das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen.“

Freimütig bekannten die zwei Teenager, dass sie im familiären Umfeld selbst Erfahrungen mit Depressionen und auch Suizid machen mussten – das sei letztlich der Impuls für die Tour gewesen. „Es ist unser Herzenswunsch, dass andere Menschen so etwas nicht erleben müssen“, sagte Merlin Beyer. Mark Bialas betonte, es gehe auch darum, psychisch erkrankten Menschen Mut zur Auseinandersetzung mit dem Thema zu machen: „Wir können die Krankheit nicht wegzaubern. Aber mehr Betroffene sollten sich trauen, sich in ärztliche Behandlung zu begeben.“

An der anschließenden Diskussion beteiligten sich Experten ebenso wie Betroffene. Tenor: Sich selbst zu helfen, wird schwierig – wirkliche Hilfe bieten Therapeuten oder auch niederschwellige psychologische Hilfsangebote. Deutlich wurde auch: Psychische Erkrankungen sind keine Frage des Alters, es kann schon Kinder treffen. Alle Beteiligten beschworen die Wichtigkeit des „Hinsehens“, und dass ein Betroffener von seiner Umwelt nicht allein gelassen werden sollte mit seinem Problem.

Heike Hartmann, didaktische Leiterin der IGS, sagte: „Wir wollen diesen starken Impuls mitnehmen“ – das Thema lasse sich sicher mit Fächern wie Religion oder Werte und Normen verknüpfen. Helene Rausch als Leiterin der Wittinger Jugendförderung bot ihre Einrichtung ebenfalls als Partner für Schulen und Eltern an, wenn es um Jugendliche mit Depressionen geht.

Kontakte für Betroffene:

• www.stellwerk-ev.de

• Sozialpsychiatrischer Dienst: (05371) 82726

• Krisendienst: (0800) 8282333

• Servicestelle für einen Termin beim Psychotherapeuten: (0511) 56999793

VON HOLGER BODEN

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