Städtische Friedhöfe „zu groß“

Auf den städtischen Friedhöfen wird viel Pflege von den Bürgern übernommen.

Wittingen - Von Holger Boden. Eigentlich muss ein Gebührenhaushalt kostendeckend sein. Für die Friedhöfe, die von der Stadt Wittingen verwaltet werden, wird das auch nach der Änderung der Friedhofssatzung nicht gelten – im Rathaus möchte niemand utopische Summen von den Bürgern verlangen. Was hinter der neuen Satzung steckt, das erläuterten Vertreter von Verwaltung und Politik jetzt in einem Pressegespräch.

Den Vorhoper Ortsrat hat der neue Satzungsentwurf schon passiert (das IK berichtete), Empfehlungen aus Radenbeck und Ohrdorf stehen noch aus. Wittingen und Knesebeck sind nicht gefragt, weil dort die Friedhöfe nicht unter städtischer Regie stehen.

Dass das neue Regelwerk, das unter anderem neue Bestattungsformen erlaubt, und die dazugehörende Gebührensatzung auf ihrem Weg durch die Instanzen noch gestoppt werden, darf als unwahrscheinlich gelten. Eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Uwe Hoppmann, in der neben dem CDU-Mann ein Vertreter der SPD und zwei aus der FWG sowie Lübens Ortsvorsteher Hans-Joachim Niemann mitwirkten, hat zweieinhalb Jahre lang in neun Sitzungen an den Details gefeilt und auf interfraktioneller Ebene etwaige Differenzen ausgeräumt. Hoppmann lobt denn auch die Zusammenarbeit als „sehr harmonisch“ – dem Thema durchaus angemessen. Für die Verwaltung hat Günter Kruse als Leiter des Wirtschaftsamtes mitgearbeitet. Das Rathaus hat für die Friedhöfe ein Kataster mit Zahlen zu Belegung, Bestattungsarten und vielem mehr erstellt.

Anlass für die neue Satzung war die Erkenntnis, dass sich durch gesellschaftliche Änderungen ein anderes Pflegeverhalten und Interesse an neuen Bestattungsformen entwickelt haben. Rasengräber sollen dem ebenso Rechnung tragen wie die Verkürzung der Ruhezeit von 30 auf 25 Jahre. Einen expliziten Anspruch auf eine bestimmte Bestattungsform gewährt das neue Regelwerk nicht, doch Hoppmann und Kruse gehen davon aus, dass die Wünsche der Bürger in örtlicher Absprache erfüllt werden können.

Eine Feststellung, die die Arbeitsgruppe sehr früh machen musste: Die elf städtischen Friedhöfe sind „zu groß“. Die historisch so gewachsenen Anlagen bestehen zu 80 Prozent aus Grünanlagen und bieten pro Einwohner eine Fläche von 18,5 Quadratmeter. Nach einer überregional anerkannten Kennziffer sollte der Quotient nur 2,5 Quadratmeter/Einwohner betragen.

Das bedeutet, dass von Bürgern zum Teil ungenutzte Fläche mitgepflegt wurde. „Uns war es deshalb wichtig, die Unterhaltungsgebühren möglichst zu drücken“, sagt Hoppmann. Die sinken nun laut Entwurf von 6,20 auf 4,20 Euro pro Jahr. (Bei den Rasengräbern betragen sie 8,50 Euro.) Die Grünflächen werden künftig aus der Kalkulation genommen. Deren Pflege durch den Bauhof soll aus dem allgemeinen Steueraufkommen bezahlt werden. Einmal pro Woche, so ist es geplant, sollen die städtischen Mitarbeiter auch die Rasengräber mähen.

Die Gebühren für den Erwerb von Nutzungsrechten steigen mit der neuen Gebührensatzung und sind künftig mitunter doppelt so hoch, dürfen aber mit Summen im hohen zweistelligen oder niedrigen dreistelligen Bereich weiter als moderat gelten. Kostendeckend wären mitunter erst vierstellige Zahlen.

„Es war unser Wunsch, einen deutlichen Unterschied zu den Gebühren der kirchlichen Friedhöfe zu behalten“, sagt Hoppmann, der gleichzeitig darauf verweist, dass sich die kirchliche und die städtische Kalkulation nicht vergleichen ließen, da die Kirche Friedhofsgärtner beschäftige – so etwas gibt es auf den städtischen Ruhestätten nicht.

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