Sanierungsbedarf an allen Ecken und Enden / Ausschuss: Grünes Licht für dringlichste Maßnahmen

Die Stadthalle – ein weites Feld

Macht der Wittinger Politik Kopfzerbrechen: die Stadthalle. Foto: Boden

Wittingen. „Ich sehe schon die hängenden Köpfe hier“, sagte Hans-Heinrich Koch (SPD), als der Architekt Arne Deck am Montagabend seinen Vortrag im Wittinger Bauausschuss beendet hatte.

Die Beobachtung des Ausschussvorsitzenden war richtig: Wie Blei schien auf den Lokalpolitikern die Erkenntnis zu lasten, dass die Stadthalle umfassend saniert werden muss. Wie teuer das Ganze wird, ist noch überhaupt nicht abzusehen.

Deck umschrieb es höflich so: Es gebe für die Stadthalle „vielfältige Möglichkeiten der Sanierung“. Die hatte er, nach einem Ortstermin, für die Stadt zusammengestellt. Hintergrund ist ein Beschluss des Verwaltungsausschusses vom Juli, ein Gesamtkonzept für eine energetische Sanierung aufzustellen.

Doch der Handlungsbedarf geht darüber hinaus. Deck zeigte dem Bauausschuss auf, zunächst einmal kurzfristige Maßnahmen zur baulichen Unterhaltung gefragt sind. Die Brüstung der Galerie im Saal ist zu niedrig für die gängigen Sicherheitsvorschriften, die ehemalige Sektbar hat Feuchtigkeitsschäden, die östliche Außen-Fluchttreppe ist marode, die Saaldecke muss auf Schädlingsbefall untersucht werden. Auch im Restaurantbereich sind Feuchtigkeitsschäden zu verzeichnen, zudem macht der Abwasserkanal durch Rückstauungen Probleme, und die Küchentechnik gilt als erneuerungsbedürftig.

Der Ausschuss schrieb am Ende in seine Empfehlung, dass die dringlichen Maßnahmen am Saal in Angriff genommen werden sollen. Was genau, in welchem Umfang, für wie viel Geld – diese Fragen blieben offen. Friedrich O. Winkelmann (FWG) wollte den Blankoscheck denn auch nicht unterschreiben: „Das ist mir zu schwammig.“

Aber es ist ohnehin damit zu rechnen, dass der neue Stadtrat und seine Ausschüsse sich ab November und in den folgenden Monaten und wohl auch Jahren mit der Stadthalle beschäftigen dürfen. Dafür sorgen schon die energetischen Verbesserungspotenziale, die Deck aufzeigte: Die Lüfterheizung sollte saniert und mit einer Wärmerückgewinnung ausgestattet werden, die Mess-, Schalt- und Regeltechnik ist zu optimieren, und bei Fassadendämmung, Fenstersanierung und am Dach des Saales ist umfangreicher weiterer Handlungsbedarf.

Hinzu kommen noch Veränderungen, die vom derzeitigen Pächter Jan-Georg Berlinecke gewünscht werden: eine Glasüberdachung für den Restaurant-Innenhof, neue Ausstattung für den Restaurant-Bereich, eine optische Aufwertung des Saales und einiges mehr.

Deck riet dazu, genaue Überlegungen anzustellen, für welche Zwecke die Stadthalle in Zukunft genutzt wird. Werde der Saal nur sporadisch gebraucht, seien energetische Verbesserungen in diesem Bereich voraussichtlich wenig effizient.

Eine Schätzung der Gesamtkosten im Falle einer Komplettsanierung konnte und wollte Deck nicht geben, sprach von einem „weiten Feld“ und verwies auf fehlende Erfahrungswerte für das große Gebäude. Es sei sinnvoll, vor Ort gezielt festzulegen, welche Einzelmaßnahmen Sinn machen. Die Aufrechterhaltung der Substanz und eine Aufwertung des Saalbetriebs halte er für „realistisch“. Beim Restaurant könne man angesichts der sich dort stellenden Aufgaben an einen Punkt kommen, wo ein Umbau teurer werde als ein Neubau.

Angesichts des schieren sich abzeichnenden Finanzvolumens hing freilich unausgesprochen die Frage in der Luft, ob man sich die Stadthalle künftig überhaupt noch leisten kann. Stadtbürgermeister Karl Ridder betonte seine Auffassung, dass „wir uns als Mittelzentrum solch eine Einrichtung erlauben sollten“. Pächter Berlinecke sah es ähnlich und bezeichnete die Stadthalle als „Marketing-Objekt der Stadt“.

Berlinecke war es auch, der die Stadt auf die hohen Energiekosten hingewiesen hatte. Die wird es nun wohl für einen weiteren Winter geben, denn der Komplex der energetischen Sanierung wurde, wie auch die sonstigen Pächter-Wünsche, vertagt. „Ich sehe nicht, dass wir heute Abend einen Weg aufzeigen können“, meinte Koch. Und auch aus Reihen der CDU kam von Walter Schulze (Ohrdorf) die Einschätzung, man müsse das Stadthallen-Konzept „von vorne neu denken“.

Von Holger Boden

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