Der Sommer kommt in Fahrt

Sommertag am Hankensbütteler Amtsweg: Mehr Licht als Schatten prophezeit IK-Wetterexperte Reinhard Zakrzewski für die nächsten Tage.Archivfoto: Boden

Isenhagener Land - Von Reinhard Zakrzewski. Hoher Luftdruck über Norddeutschland bringt uns am Wochenende viel Sonnenschein und damit perfektes Grill- und sogar Badewetter. Örtlich kann schon morgen die 25 Grad-Marke fallen, und am Sonntag sind sogar 26 Grad drin. Dazu weht eine nur schwache Brise aus unterschiedlichen Richtungen.

Einziger Wermutstropfen: Quellwolken werden vor allem am Sonntag mit von der Partie sein. Ab Montag nähern sich von Frankreich Gewitterstörungen, die neben einzelnen Schauern auch feuchtwarme Südwestluft im Gepäck haben. So sind trotz vieler Wolken bis Mitte nächster Woche noch um 22 Grad drin. Mit dem 10. Juni wird dann die Zeit der so genannten „Schafskälte“ eingeläutet, die in acht von zehn Jahren im Zeichen kühler und wechselhafter Witterung steht. Ob es ab Donnerstag zu dem letzten großen Kälte-rückfall des Jahres kommt, ist noch nicht sicher.

Der Mai zeigte sich im nordöstlichen Niedersachsen alles andere als wonnig. Besser gesagt: Er lief völlig aus dem Ruder. Dabei waren die 2 bis 2,5 Grad zu kühlen Temperaturen noch das geringste Übel. Wesentlich mehr aufs Gemüt schlug die hohe Verdunklungsrate durch massive Wolken, die nur 115 bis 125 Sonnenstunden zuließen (53 bis 60 Prozent des Solls), was verbreitet neue Minusrekorde bedeutete.

Besonders unangenehm fiel in diesem Zusammenhang die erste Monatshälfte auf. Zwischen dem 6. und 15. Mai lieferte sie zehn fast völlig sonnenscheinlose Tage am Stück, so viel wie noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. An zehn bis elf Tagen hatte die Sonne in unserer Region sogar einen kompletten Blackout, auch dies ein absolutes Novum.

Schlechte Laune verbreiteten zudem die 16 bis 21 Tage mit messbarem Niederschlag, die gebietsweise das Doppelte der normalen Monatssumme brachten. Zwischen drei und fünf Tage mit Starkregen (mind. 10 Liter/qm) waren auch dabei (Maximum: Waldhof/Langenbrügge am 20. Mai mit 25 Liter/qm).

Dagegen traten die ein bis fünf Nächte mit Luftfrost (Faßberg zuletzt am 29. Mai) und bis zu sieben mit Bodenfrost schon fast in den Hintergrund. Allerdings beachtlich: Aus dem berüchtigten Kälteloch Faßberg wurde am 5. Mai mit minus 5,5 Grad die bundesweit tiefste Maitemperatur gemeldet.

Über das wärmste Wetter mit Werten von 20 bis 24 Grad konnten wir uns am Pfingstwochenende freuen, das mit teils heftigen Gewittern, örtlich mit Sturmböen und Hagel, am Pfingstmontag turbulent endete.

Grund für den außergewöhnlich miesen Mai waren die Nachwehen des Winters. Seine auf kalt und feucht getrimmten nördlichen Großwetterlagen mit Winden direkt aus dem arktischen Eisschrank konnten sich immer wieder durchsetzten.

Das galt im Wesentlichen auch für das ganze Frühjahr. Erfreuliche Ausreißer waren nur größere Abschnitte des sehr sonnigen und trockenen Aprils, der die Frühjahrserwärmung aber nicht wirklich reißen konnte. So blieben uns die üblichen zwei bis drei Sommertage (25 Grad und mehr), abgesehen von örtlich einem, im April völlig versagt.

Insgesamt glichen sich die positiven und negativen Abweichungen von Temperatur und Sonnenschein, gemessen am 30-jährigen Klimamittel, nahezu aus (Wittingen 8,0 Grad, Abweichung plus 0,2 Grad; Sonne: 471 Stunden = 99 Prozent). Gleiches galt für die Frosttage, deren Anzahl mit 15 bis 29 regional sehr unterschiedlich ausfiel (Wittingen 19, Waldhof 23 Tage).

Überwiegend zu hoch lagen die Niederschläge: 137 bis 198 Liter/Quadratmeter beziehungsweise 96 bis 126 Prozent vom Normalwert (Vorhop 164 Liter/qm = 105 Prozent, Waldhof 185 Liter/qm = 126 Prozent), wurden aus dem nordöstlichen Niedersachsen gemeldet. Klimatisch bemerkenswert: Die seit zwei Jahrzehnten zu beobachtende Austrocknung des Aprils setzte sich auch im Frühjahr 2010 fort.

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