So kommt der neue Dienst bei den Menschen an

Schwerer Start für Corona-Warn-App in Wittingen

Seit gestern können sich Smartphone-Nutzer die neue Corona-Warn-App herunterladen. Mit ihrer Hilfe sollen Infektionsketten früher erkannt und gestoppt werden.
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Seit gestern können sich Smartphone-Nutzer die neue Corona-Warn-App herunterladen. Mit ihrer Hilfe sollen Infektionsketten früher erkannt und gestoppt werden.

Wittingen – Monatelang wurde an der offiziellen Corona-Warn-App getüftelt. Am Dienstagmorgen ging sie dann an den Start. Wie sie sich jetzt in der Praxis macht, hängt davon ab, wie viele Menschen sie nutzen.

Das IK hat Bürger in Wittingen gefragt, ob sie sich die App installieren werden. Der Zuspruch ist verhalten.

Ob in der Bank, beim Einkaufen oder bei der Post – im Alltag begegnen wir regelmäßig anderen Menschen. Eine App soll nun Nutzer darüber informieren, wenn sie sich in der Nähe einer mit dem Virus infizierten Person aufgehalten haben. Der 29-jährige Maurizio S. aus Wittingen fürchtet, dass er dadurch überwacht werde. „Mir ist die Privatsphäre meiner Familie sehr wichtig.“ Auch ein anderer Familienvater äußert seine Bedenken: „Ich bin bei solchen Apps sehr vorsichtig.“ Doch ist die Corona-Warn-App nicht sicher?

Auf der Internetseite www.coronawarn.app erläutern die Hersteller, wie die App funktioniert. Begegnen sich zwei Nutzer, tauschen ihre Smartphones über Bluetooth verschlüsselte, anonymisierte Zufallcodes aus. Wird jemand positiv auf das neuartige Corona-Virus getestet, kann er das freiwillig der App melden. Seine IDs werden verschlüsselt an alle Nutzer geschickt. Die App überprüft dann, ob man mit den übermittelten IDs in Kontakt war. Bei Übereinstimmung warnt das Handy über den kritischen Kontakt.

Es werden also keine Ortsinformationen erfasst oder Kontaktdaten auf Servern gespeichert, auf die die Regierung Zugriff hat. Des Weiteren kann über die IDs nicht auf den Besitzer des Smartphones geschlossen werden.

„Das ist nichts für mich. Ich habe zwar ein Handy, aber kein Smartphone“, erzählt eine ältere Frau auf IK-Nachfrage. Mia Manikti ist aufgefallen, dass viele ihrer Patienten nicht die technischen Mittel besitzen. „Die Leute, die diese Information wirklich bräuchten, bekommen sie nicht“, erzählt die Uelzenerin, die an diesem Tag in Wittingen ist. Ein anderer Befragter erklärt: „Es wird überall in den Medien – auf Facebook, in der Zeitung – über neue Fälle berichtet. Ich brauche nicht noch eine App.“

Anna-Sophie und ihre Mutter Ingrid Märtz sind gespaltener Meinung, was den persönlichen Gebrauch der App angeht, sehen aber beide einen Nutzen: „Dadurch kann das Gesundheitsamt die Infektionsketten einfacher nachverfolgen.“ Ein Befragter aus einem anderen Landkreis berichtet, dass sein Arbeitgeber überlegt, die App auf den Diensthandys einzurichten. Um in solchen Fällen die Rechte der Arbeitnehmer zu schützen, drängen Experten deshalb darauf, dass der Punkt der Freiwilligkeit gesetzlich geregelt wird.

VON MARJANA MAIER

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