Schule statt Jugendtreff

Wittingen - Von Holger Boden. Die Stadt Wittingen will die bisher von der Jugendförderung angebotene Hausaufgabenbetreuung an die Schulen verlagern. Der Kultur-, Jugend-, Sozial- und Integrationsausschuss folgte am Mittwochabend bei einer Gegenstimme einem entsprechenden Vorschlag der Verwaltung.

Hintergrund dieses Schrittes ist die Erkenntnis, dass Hausaufgabenbetreuung keine originäre Aufgabe der offenen Jugendarbeit ist, sondern in den Bereich der schulischen Betreuung gehört. Das spielte lange Zeit keine große Rolle, doch übersteigen Bedarf und Nachfrage nach Angaben der Verwaltung inzwischen bei weitem die räumlichen und personellen Kapazitäten der Jugendförderung. Zehn Kinder nehmen das Angebot in Wittingen wahr, 13 sind es in Knesebeck. „Mehr geht nicht“, sagte die Leiterin der Jugendförderung, Helene Rausch, dem Jugendausschuss.

Ursprünglich wurde die Hausaufgabenbetreuung, die im Paket mit einem warmen Mittagessen angeboten wird, in den Jugendtreffs eingerichtet, um dort einen erkennbaren Bedarf zu bedienen. Angesichts der immer stärkeren Nachfrage wurden zuletzt sogar Öffnungszeiten und andere Angebote der Jugendförderung reduziert.

„Man ist mit der Hausaufgabenbetreuung inzwischen nah an der Hortbetreuung“, sagte der Erste Stadtrat Peter Rothe. „Das ist nicht gewollt.“ Zudem stelle sich das Problem der Gleichbehandlung, denn bei ansteigender Nachfrage und zu geringen Kapazitäten habe man keine gültigen Ausschlusskriterien an der Hand. Und: Nachhilfe, wie sie von privaten Anbietern geleistet wird, dürfe und wolle man nicht anbieten – auf diese „Schiene“ könne man aber leicht geraten.

Nun sollen also die Schulen in die Verantwortung genommen werden. Die gelten mit ihren nachmittags zur Verfügung stehenden Räumen und Küchen als der auch von der Ausstattung her geeignetere Ort. Für Hermann Lahmann (CDU) ist Hausaufgabenbetreuung klar „Aufgabe der Schule, so etwas gehört an die Ganztagsschule“.

Die allerdings ist derzeit in Wittingen nicht mehr geplant – einen vorgezeichneten Rahmen für das zusätzliche Angebot hätte man an der Grund- und Hauptschule also nicht. Der stellvertretende Ausschussvorsitzende Gernold Holler (FWG), der letztlich gegen die Verlagerung stimmte, sorgte sich um die künftige Hausaufgabenbetreuung der Knesebecker Kinder und Jugendlichen – der Ort hat keine weiterführende Schule.

Als nächstes wird der Wittinger Verwaltungsausschuss am 23. September über die Sache beraten. Die Verwaltung will das Thema mit den Schulleitungen und Schulvorständen erörtern.

Angesichts der gestiegenen Nachfrage scheint klar zu sein, dass es künftig sogar um einen Ausbau des Angebotes gehen könnte. Fest steht: Per Dekret aus dem Rathaus wird die Umstellung nicht funktionieren. Rothe setzt denn auch darauf, dass eine Lösung gefunden werden kann, die allen Beteiligten gerecht wird.

Weil das nicht von heute auf morgen geht, soll die alte Regelung noch bis zum Ende des laufenden Schuljahres gelten. Im Rathaus soll das Thema zum Frühjahr auf Wiedervorlage gelegt werden, damit politisch gegengesteuert werden kann, falls sich bis dahin keine Lösungen entwickeln.

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