Wittingen: Kultusminister Althusmann sieht Oberschule als Zugehen auf IGS-Befürworter

Wittingen: Schuldiskussion ohne Konsens

CDU-Politiker Althusmann sah sich in der Stadthalle einem Publikum gegenüber, das etwa zur Hälfte aus Zuhörern bestand, die die IGS bevorzugen, und zur anderen Hälfte weitgehend aus Mitgliedern und Sympathisanten seiner eigenen Partei.

Wittingen. 900 000 Schüler gibt es in Niedersachsen, und in zehn Jahren werden es nach Berechnungen der Landesregierung infolge des demografischen Wandels nur noch 700 000 sein.

„Das hat dramatische Auswirkungen auf das wohnortnahe Schulangebot“, sagte Kultusminister Bernd Althusmann gestern in der Wittinger Stadthalle, „darauf muss man reagieren.“ Und die Reaktion, die die regierende Koalition angemessen finde, sei das neue Modell der Oberschule.

Der CDU-Politiker sah sich in der Stadthalle einem Publikum gegenüber, das etwa zur Hälfte aus Zuhörern bestand, die die IGS bevorzugen, und zur anderen Hälfte weitgehend aus Mitgliedern und Sympathisanten seiner eigenen Partei. Er räumte ein, dass die Entscheidung für die Oberschule „auch koalitionsarithmetische Gründe“ gehabt habe. Dennoch trat Althusmann überzeugt für die neue Schulform ein, deren Möglichkeiten der inneren Differenzierung beim Unterricht er als Entgegenkommen für die Anhänger der IGS wertete.

Die Vorsitzende des Kreiselternrates, Ivonne Reinecke, stellte trotzdem die Forderung auf: „Wir wollen für den Nordkreis unsere eigene IGS.“ Klaus Schramm, Mitglied des Landeselternrates aus Braunschweig, befand kategorisch: „Wir brauchen die Oberschule nicht.“

Unter Berufung auf Erkenntnisse der Wissenschaft sagte Althusmann, die Hoffnung auf mehr Chancengleichheit an der IGS sei „ein Trugschluss“. Auch aus den PISA-Ergebnissen von 2000 bis 2009 lasse sich keine Strukturempfehlung ableiten: „Es kommt auf die Inhalte an, die Lehrerausbildung, die Bildung in der Familie.“

Die Oberschule, so Althusmann, biete die Rahmenbedingungen für Schüler mit unterschiedlichen Begabungen, halte lange die Option für gymnasiale Abschlüsse offen und könne mit dieser Flexibilität nach Auffassung von CDU und FDP bis auf das Gymnasium alle Schulformen ersetzen. Als Vorteile pries er die Maximalstärke von 28 Schülern pro Klasse, zwei Tage verpflichtenden Ganztagsunterricht pro Woche und ein sozialpädagogisches Angebot. Das eine Oberschule mit gymnasialem Zweig ein Gymnasium gefährden könne, glaube er nicht.

In der Diskussionsrunde wollte der Leiter des Hankensbütteler Gymnasiums, Martin Hille, von Althusmann wissen, woher die Lehrer für gymnasiale Zweige kommen sollen, wenn es schon jetzt Lehrermangel in manchen Fächern gebe. Der Minister entgegnete, es werde kein Abordnungssystem geben, allerdings werde man in Mangelfächern nicht ohne „gegenseitige Unterstützung“ von Schulen auskommen. Für das Hankensbütteler Gymnasium werde es keine Gefährdung geben, aber „gegebenenfalls Einschränkungen“.

Die Frage von Landrätin Marion Lau, warum keine durchgehend verpflichtende Ganztagsschule geschaffen werde, beantwortete Althusmann mit Verweis auf die Finanzsituation des Landes: 42 Millionen Euro brauche man dafür, das Geld sei nicht da, man könne nur „Schritt für Schritt“ arbeiten.

Zum Vorwurf eines Lehrers, dass die IGS vom Land aufgrund der Gründungsvoraussetzungen schlechter behandelt werde als die Oberschule, sagte der Minister: „Wenn es einen entsprechenden Elternwillen gibt, dass sind auch die nötigen Schülerzahlen da.“

Der Hankensbütteler SPD-Politiker Martin Rausch plädierte ebenfalls für die IGS und wertete die Ausführungen Althusmanns so, dass man beim Wunsch nach einem Zwei-Säulen-Modell im Prinzip „einer Meinung“ sei: „Wir hätten auf Landesebene den Schritt gemeinsam gehen können.“ Ein anderer Zuhörer stellte den Sinn des freien Elternwillens in Frage.

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