Wittinger Politik sieht freie Raum-Kapazitäten / Brandschutz als Auslöser

Schul-Diskussion läuft an

Wittingen. Als die Summen genannt wurden, mussten die Mitglieder des Bauausschusses spürbar tief Luft holen. 760 000 Euro für die Wittinger Grundschule, 130 000 für die in Knesebeck. Kein Anbau, keine Grundsanierung – es geht „nur“ um Brandschutz.

Als endgültig belastbare Kostenschätzungen wurden die Beträge nicht dargestellt – doch sie standen nun mal da in der Tischvorlage mit den Investitionen und verdeutlichten die Größenordnungen, um die es gehen könnte. Und diese Dimensionen haben in der Stadtpolitik ein Nachdenken über die Schulstandorte und ihre künftige Nutzung ausgelöst.

Stadtbürgermeister Karl Ridder etwa sagte in der Ausschusssitzung: „Ich hinterfrage, ob das alles sein muss.“ Gemeint war nicht der Brandschutz an sich, aber der Umfang der Maßnahmen – langfristig spreche man über eine zweizügige Grundschule in einem sehr großen Gebäude. Und CDU-Ratsherr Walter Schulze deutete an, in welche Richtung künftige Diskussionen gehen könnten: „Man muss überlegen, ob man im ersten Stock noch Klassen unterbringt.“ Über das Nutzungskonzept des Gebäudes an sich sei nachzudenken.

Hört man sich in der Stadtpolitik um, dann ist eins offenbar klar: Die drei Grundschulstandorte Wittingen, Knesebeck und Radenbeck sollen nicht zur Disposition stehen. Denkbar scheinen aber neue Wege in der Nutzung dieser Standorte.

Fragen, die die Politik sich stellen wird: Wie nutzt man Platz in Schulgebäuden am sinnvollsten, wenn die Schülerzahlen zurückgehen? Gibt es neue innerschulische Bedarfe, etwa durch Betreuungsangebote, oder ist vielleicht Raum für Synergien mit der Kita-Politik? Die Schaffung zusätzlicher Krippenkapazitäten steht eh auf der Agenda. Muss man da neu bauen oder mieten, wenn in Schulen städtischer Platz zur Verfügung stünde? Und wie stehen die Schulen selbst zu solchen Überlegungen?

Denn wie viele Räume tatsächlich vakant sind, darüber dürften Politik und Schulen mitunter geteilter Meinung sein. In der Verwaltung gehe man derzeit, so der Erste Stadtrat Peter Rothe, jedenfalls von freien Kapazitäten aus, insbesondere in Wittingen, und trotz Ganztagsbetrieb.

CDU und Grüne fahren Anfang Februar zu einer Klausurtagung nach Duderstadt, um sich – unter anderem – über genau solche Fragen zu unterhalten. Festlegungen gebe es nicht, sagt CDU-Fraktionschef Uwe Hoppmann: „Wir haben noch nicht ausführlich darüber gesprochen.“ Andrea Harms, für die FWG im Bauausschuss, sagt, man müsse über „sinnvolles Füllen der Substanz“ nachdenken – die Frage sei aber, ob die Schulen tatsächlich vakanten Platz sehen. Die SPD will laut Fraktionschef Hans-Heinrich Koch nächste Woche über den Themenkomplex diskutieren.

Was das alles für den Auslöser der Diskussion – den Brandschutz – bedeutet, bleibt abzuwarten. Bauamtsleiter Sascha Liwke sprach gegenüber dem Bauausschuss von einem „engen Zeitfenster“: „Es ist offen, ob das 2017 umgesetzt wird.“ Zeitdruck macht der Landkreis als aufsehende Behörde laut Rothe nicht. Genauere Kosten sollen ermittelt werden, wenn der Landkreis zwei Gutachten zu den Grundschulen Wittingen und Knesebeck ausgewertet hat.

Von Holger Boden

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