Krankenhaus will ab Herbst Therapie in neuer Abteilung anbieten

Schmerzklinik in Wittingen

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Gemeinsam gegen den Schmerz: Krankenhaus-Sprecher Sebastian Haeger (von links), Martina Sültmann (Verwaltung), Kristin Scheffel (Stationsleitung), Hilke Hamel (Betriebsratsvorsitzende), Schmerz-Experte Prof. Dr. Peter Michael Osswald und Franca Hinz („Pain Nurse“).

Wittingen. Gute Nachricht für Patienten mit chronischen Schmerzen: Das Städtische Krankenhaus Wittingen will zum Herbst eine Abteilung für multimodale Schmerztherapie einrichten.

Im ersten Stockwerk des Krankenhauses werden derzeit die freigewordenen Räume der Geburtshilfe zu einer so genannten Schmerzklinik umgebaut. Davon hat die Rhön Klinikum AG in Niedersachsen bislang sechs Stück.

Das Projekt wird von dem renommierten Schmerz-Spezialisten Prof. Dr. Peter Michael Osswald aus Frankfurt betreut. „Chronischer Schmerz ist als eigenständige Erkrankung anerkannt“, sagt Osswald, „wir wollen den Patienten hier zu Erleichterung und besserer Lebensqualität verhelfen.“

Den richtigen Ansatz dafür sieht Osswald in einem ganzheitlich-medizinischen Konzept. Der Mensch sei „nicht nur eine Summe von Organen“, sondern eben auch von Erfahrungen und Emotionen. Zur Therapie sollen daher medizinische und physiotherapeutische Elemente ebenso gehören wie psychotherapeutische Elemente und Entspannungsverfahren.

So kann Nordic Walking ebenso Bestandteil der Schmerztherapie sein wie Gespräche, eine andere Sitzhaltung kann genauso auf dem Tagesprogramm stehen wie die Hinführung zu einer positiveren Lebenseinstellung. Depressivität, weiß Osswald, kann Auslöser für verschiedenste Schmerzarten sein.

Die Therapie erfolgt im stationären Rahmen, einzeln oder in Gruppen, maximal stehen acht Plätze zur Verfügung. Die Patienten bleiben für zwölf Tage. Die Einweisung muss durch den Hausarzt erfolgen, zudem wird in einem Assessment überprüft, ob die offiziellen Aufnahmekriterien für die Aufnahme in eine multimodale Schmerztherapie erfüllt sind.

Krankenhaus-Sprecher Sebastian Haeger sieht die Schmerzklinik als Stärkung des Krankenhaus-Standortes Wittingen. Die Investition in den Umbau belaufe sich auf bis zu 200 000 Euro, zudem wird personell aufgerüstet. Unter anderem mit einer so genannten „Pain Nurse“ (auf Schmerzen spezialisierte Krankenpflegerin, die als wichtiges Bindeglied zwischen Arzt und Patient fungiert. Osswald schätzt den zusätzlichen Personalbedarf auf etwa acht Stellen. Chefarzt Hans-Uwe Kreft betont: „Die anderen Disziplinen werden nicht an den Rand gedrängt, die Grund- und Regelversorgung bleibt bestehen.“

Haeger stellt heraus, dass dem Krankenhaus die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten sehr wichtig sei. Zielgruppe seien jene Patienten, „bei denen der Hausarzt nicht mehr weiter weiß“.

Von Holger Boden

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