Schluss mit „Deckel drauf“

Bedauern in Zasenbeck: Kunststoffsammlung gegen Polio wird eingestellt

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Käthe Winke und ihre Mitstreiter Karl-Heinz Gauert sowie Christa Jordan (hinten l.) und Renate Piep haben unzählige Deckel gegen Polio gesammelt – damit ist am 30. Juni notgedrungen Schluss.

Zasenbeck – Mülltrennung? Ja bitte! Mehr als 3 Millionen Kinder weltweit freuen sich darüber, dass auch im Isenhagener Land zahlreiche Haushalte bereit waren und sind, neben Papier, Plastik, Flaschen, Restmüll und Kompost auch noch Flaschendeckel aus Kunststoff separat zu sammeln.

Doch damit ist nun Schluss: Die Aktion „Deckel drauf“ endet zum 30. Juni – was unter anderem in Zasenbeck sehr bedauert wird. .

„Das tut mir in der Seele leid“, sagt Käthe Winke. „Aber ich kann die Gründe verstehen.“ Die Zasenbeckerin hat ihren Hof als Sammelstelle für Säcke voller Kunststoffdeckel zur Verfügung gestellt (das IK berichtete), diese Säcke hat sie dann an Ines Heidemann vom Gymnasium Hankensbüttel weitergeleitet, die wiederum über private Kontakte die Deckelsammlungen an den Rotary Club Uelzen übergibt.

Der Sinn der Aktion: Die Flaschendeckel bestehen aus einem hochwertigen Kunststoff, für den so gute Preise erzielt werden konnten, dass sich mit 500 Deckeln eine Impfung gegen Kinderlähmung finanzieren ließ. In Deutschland laufen dafür die Fäden beim Verein „Deckel drauf e.V.“ zusammen, weltweit konnten mit einem Erlös von 270 000 Euro rund 3,3 Millionen Schluckimpfungen ermöglicht werden.

Doch nun sieht sich der Verein gezwungen, das Projekt „500 Deckel für ein Leben ohne Kinderlähmung“ einzustellen. Der Grund: Die Marktpreise für die als Sekundärrohstoff wiederverwendeten Kunststoffdeckel sind deutlich gesunken. Hintergrund sind nach Angeben des Vereins „Marktverschiebungen, die durch das chinesische Importverbot für Kunststoffabfälle ausgelöst wurden“.

Hinzu komme die neue Kunststoff-Strategie der EU, die der Verein, wie er betont, ausdrücklich begrüßt: Deckel müssen künftig fest mit den Flaschen verbunden sein. Bald gibt’s also ohnehin nichts mehr zu sammeln. Bei „Deckel drauf“ verschweigen sie nicht, dass das Deckel-Aufkommen durch fleißige Sammler den Ehrenamtlichen, die die Aktion verwaltet haben, langsam über den Kopf zu wachsen drohte.

Ende Juni ist also Schluss – und Käthe Winke hofft nun auf einen richtig tollen Endspurt. Sie schätzt, dass allein über ihren Hof rund 150 000 Deckel von Sammlern aus dem Isenhagener Land gegangen sind, von Institutionen wie etwa Kitas oder auch von Privathaushalten. „Allen Sammlern gebührt ein großes Dankeschön“, sagt die Zasenbeckerin. „Die Menschen hier im Isenhagener Land haben ein großes Herz.“ Bis zum 30. Juni werde auch noch die Sammeltonne vor dem Zasenbecker Dorfgemeinschaftshaus stehen bleiben.

VON HOLGER BODEN

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