Schätze der Ortsgeschichte

Verleger und Buchhändler Willy Hartmann (l.) mit dem Vize-Vorsitzenden des Wittinger Heimatvereins Horst Meier.

Wittingen - Von Jürgen Kayser. Dass Max Langerhans’ populäres Buch „Ut de Lüneborger Hai“ zahlreiche Wittinger Bücherschränke ziert, ist maßgeblich ein Verdienst der Buchhandlung Erich W. Hartmann in Hannover. 1978 hatte Willy Hartmann, Buchhändler und Verleger, den Langerhans-Klassiker mit seinen kauzig-besinnlichen Geschichten neu herausgegeben. „Die plattdeutschen Geschichten des ‚olen Landdokter‘ sind beliebt – es gibt in Wittingen mehr Bücher von Langerhans als die Stadt Dächer hat“, scherzte der 81-jährige Ruheständler jüngst im Junkerhof.

Dort, wo die Schellen-Presse Wittingen noch bis in die fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts druckte, übergab Hartmann dem Heimatverein Wittingen eine Sammlung von Publikationen zur Orts- und Landesgeschichte Niedersachsens. Willy Hartmann, der in Wittingen aufwuchs ( 1928 bis 1950), später Buchhändler lernte, in Hannover ein eigenes Unternehmen gründete und 60 Jahre später nach Wittingen zurückkehrte, vertraute Horst Meier, Vize-Vorsitzender der Heimatfreunde, darüber hinaus wertvolle Veröffentlichungen über prominente regionale Persönlichkeiten an.

Käte Hardeland, Lehrerin an der ehemaligen Mittelschule in Wittingen, hat zum Beispiel über Carl Johann Philipp Spitta (1801 – 1859) geforscht und publiziert. Spittas Lieder („Psalter und Harfe“) zeichnen sich durch große persönliche Frömmigkeit aus. In seiner Wittinger Zeit war der Superintendent insbesondere damit beschäftigt, einen Prediger- und Lehrerverein zu initiieren. Das Buch der Pädagogin erschien 1957.

„Der Sänger starb, doch seine Lieder leben…“ – „Deutsche Weisen“ heißt eine Liedersammlung mit fünf Heften von Justus Wilhelm Lyra, die Carl Weigel gesichtet hatte. Der Dirigent an der Singakademie in Hannover nannte Lyras Lieder „glückliche Eingebungen des Augenblicks und nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.“ Dennoch bereitete Weigel den musikalischen Nachlass Lyras für den Druck vor. Von Lyra, der 1867 in Wittingen Pastor war, stammt übrigens das Lied „Der Mai ist gekommen.“ Der Nachwelt sind aber auch theologische Schriften von ihm erhalten geblieben. Aus Lyras Feder stammt beispielsweise das Werk „Vom Vertrauen des Bräutigams und der Braut.“

Willy Hartmann übergab dem Heimatverein zwei Bücher, die von der Landsknecht-Presse Wittingen gedruckt wurden: Es ist „Ein Büchlein mit Bildern (Linolschnitte) und Worten – das Leben, Treiben und Sterben der Landsknechte“ sowie „Kleine Erde – Gartengedichte“. Pacht-, Zins- und Dienstregister des Amtes Knesebeck aus dem 16. und 17. Jahrhundert dürften die Heimatforscher gespannt machen.

Alte Kreiskalender für Gifhorn-Isenhagen gehören ebenso zu den empfehlenswerten Archivalien, die schon wegen der Illustrationen von E.W. Baule „heilig gehalten werden sollten“, fand Willy Hartmann. Gold wert und geradezu unersetzliche Hilfsmittel für die wissenschaftliche Arbeit sind sechs Bände „Bibliografien der Niedersächsischen Geschichte“, die die einschlägige Literatur des 20. Jahrhunderts fast komplett zusammenfassen.

Willy Hartmanns Geschenk an den Heimatverein wird erfasst und geordnet. „Verliehen werden keine Bücher aus dem Archiv des Heimatvereins, sondern die orts- und landesgeschichtliche Literatur darf archivarisch im Junkerhof genutzt werden“, kündigte Heimatfreund Meier an.

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