Auf Straßenbäumen bei Wittingen bleiben viele Früchte ungenutzt

Schade um das schöne Obst

Jetzt unbrauchbar: viel Fallobst an der Kreisstraße nach Erpensen. Einige Bäume sind derweil noch voller Äpfel. Fotos: Boden

Wittingen. Die vielbeklagte Überflussgesellschaft nutzt ihre Ressourcen nicht – das ist die Botschaft, die derzeit mancherorts am Straßenrand deutlich zu registrieren ist. Auch rund um Wittingen. Viele Obstbäume hängen dort auch im November noch voller Früchte.

Zum Beispiel an der Kreisstraße zwischen Wittingen und Erpensen, wo goldgelbe Äpfel in der Spätherbstsonne leuchten. Die Verwertung des Obstes wird von der Kreisstraßenmeisterei organisiert. Die hat in vergangenen Jahren mitunter Aufrufe gestartet, um Bürger darauf aufmerksam zu machen, dass sie an den Straßen des Landkreises nach vorheriger Anmeldung Äpfel, Birnen oder Zwetschgen ernten dürfen.

In diesem Jahr gab es keinen solchen Aufruf. Hans-Werner Müller, Leiter der Knesebecker Kreisstraßenmeisterei, begründet das damit, dass sich in den letzten Jahren eine Stammkundschaft gefunden habe, die die Bäume aberntet: „Viele Bürger wissen das mittlerweile, das läuft inzwischen von alleine.“

Offenbar jedoch nicht flächendeckend. Müller bedauert das, macht aber geltend, dass sich sein Team nicht darum kümmern könne, dass auch der letzte Baum leergeerntet wird: „Unsere Hauptaufgabe ist eine andere.“

13 Straßen mit Obstbäumen verwaltet die Kreisstraßenmeisterei, und wer sich einen schönen Wintervorrat an Äpfeln oder Birnen zulegen will und keine eigenen Bäume hat, kommt wohl nirgends sonst so günstig an das Obst: 5 Euro pro Baum werden fällig, pflücken muss man selbst. Der „Anerkennungsbeitrag“, wie Müller die Summe nennt, fließt in die Kasse des Landkreises. Ein kommunaler Haushalt lässt sich davon nicht sanieren.

Ein privater Haushalt aber profitiert durchaus von gesundem Obst aus regionalem Anbau, das nicht über die Weltmeere transportiert wurde. Müller sagt, vielleicht müsse man künftig wieder stärker auf die Ernte-Möglichkeit aufmerksam machen. Auch wenn manche Zeitgenossen diesen Hinweis nicht brauchen: Bei der Straßenmeisterei weiß man, dass mitunter auch Pflück-Teams anrücken, die selbst die 5 Euro noch sparen möchten. Oder vielleicht nicht wissen, wo sie sich melden müssen.

Bei der Wittinger Tafel hat man auch schon über eine Nutzung des kommunalen Obstes nachgedacht. Die Vorsitzende Laura Osterloh würde die Äpfel und Birnen gern den Tafel-Kunden zur Verfügung stellen, jedoch sei ihre Einrichtung derzeit „mit Ehrenamtlichen unterbesetzt“. Sie hoffe, dass sich die Lage bessere, dann wolle sie das Thema nächstes Jahr in Angriff nehmen.

So scheint es, dass überall fehlende „Manpower“ verhindert, dass das Straßenobst auf oder unter den Bäumen vergammelt. Wer die Früchte noch nutzen möchte, wendet sich an die Kreisstraßenmeisterei unter (05834) 6586.

Von Holger Boden

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