Schockierende Statistik nach Tempomessungen im Eichelkamp / Ortsbürgermeister will Konsequenzen

Mit 120 Sachen durch Ohrdorf

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Den Eichelkamp missbrauchen viele Verkehrsteilnehmer offenkundig als Abkürzung und Rennstrecke. Ohrdorfs Ortsbürgermeister Christian Dalibor findet das nicht lustig.

Ohrdorf. Ein Durchschnittstempo von 56,6 Stundenkilometern innerorts? Klar, nichts Besonderes, ein bisschen höher als erlaubt, aber nimmt man zur Kenntnis. Oder? Vielleicht ist die Lage eine andere, wenn die Messung in einer Tempo-30-Zone vorgenommen wurde.

Christian Dalibor ist jedenfalls nicht amüsiert, und viele Anwohner sind es auch nicht.

Denn dem Ohrdorfer Ortsbürgermeister liegen jetzt die Daten der Geschwindigkeitsmessungen vor, die die Stadt Wittingen im Januar und Februar dieses Jahres im Ohrdorfer Eichelkamp vorgenommen hat. Und die Werte sind zum Teil schockierend. Die im Schnitt registrierten 56,6 Stundenkilometer aus der Woche vom 22. bis 30. Januar mal beiseite: Der unrühmliche Spitzenreiter raste in diesem Zeitraum mit 128 Sachen durch den Eichelkamp – mehr als viermal so schnell als erlaubt.

Eine Ausnahme war das nicht: Zwischen dem 15. und 22. Januar waren 122 km/h die höchste gemessene Geschwindigkeit, zwischen dem 30. Januar und dem 20. Februar waren es 119 km/h. In den rund fünf Wochen wurden knapp 108.000 Fahrzeuge erfasst.

Das Schockierende: Geschwindigkeiten um die 120 Stundenkilometer sind in den Messreihen, die der Ortsbürgermeister präsentiert, keineswegs eine Ausnahme – sie treten in den Diagrammen vielmehr so gut wie täglich auf. An das vorgeschriebene Tempo 30 hielten sich vom 15. bis 22. Januar gerade einmal rund 2000 von 26.216 Verkehrsteilnehmern – also nur jeder Dreizehnte.

Dalibor glaubt an einen Zusammenhang zwischen den Tempo-Spitzen und dem Berufsverkehr. Denn der Eichelkamp diene offenkundig als Abkürzung zwischen dem nördlichen und dem südlichen Ortseingang – und werde auf der Durchreise zur Schicht scheinbar ohne Rücksicht auf Verluste missbraucht: „Das sind keine Ohrdorfer“, vermutet der Ortsbürgermeister.

Gefühlt hat der Eichelkamp für viele Bewohner des Ortes schon lange ein Tempo-Problem, nun haben sie es Schwarz auf Weiß. Auch Dalibor war schon lange von Geschwindigkeiten über 80 km/h ausgegangen – dass sie so hoch liegen, hatte auch er sich nicht träumen lassen. Mit den Messwerten will er nun bei der Polizei vorstellig werden.

Von Holger Boden

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