Kartoffelfeldtag in Darrigsdorf: Erträge werden hart erarbeitet sein

Ringe unter den Augen

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Knollenschau gestern beim Kartoffelfeldtag in Darrigsdorf: Die Landwirte im Nordkreis dürfen nur dank intensiver Beregnung auf Erträge hoffen.

Darrigsdorf/Wollerstorf. Katastrophenstimmung auf knochentrockenen Äckern? Den Eindruck konnte man beim Darrigsdorfer Kartoffelfeldtag nicht gewinnen, und das lag nun nicht an den neun Millimetern Niederschlag, die in der Nacht zuvor auf die Knollen gefallen waren.

Ja, die Ernte wird geringer ausfallen als 2017. Und ja, die Erträge werden durch den hohen Beregnungsaufwand hart erarbeitet sein.

Beim Erntegespräch sah sich Volker Peters, Geschäftsführer der Helle Niedersachsen GmbH in Bad Bevensen, aber sogar genötigt, ein wenig „die Euphorie rauszunehmen“.

Dass im viel zu trockenen Sommer 2018 überhaupt ein Landwirt auch nur an Euphorie denken könnte, liegt am Gesetz von Angebot und Nachfrage. Weil fast überall in Europa Niederschläge fehlen, wird mit einem besonders aufnahmefähigen Markt gerechnet. Für Industriekartoffeln, die vor Jahresfrist noch rund 100 Euro pro Tonne erzielten, könnte sich der Preis dieses Jahr mit 180 Euro fast verdoppeln. Die Abnehmer freut das freilich nicht. Wolfgang Walter, Geschäftsführer beim Kartoffel-Unternehmen Norika, sah sogar die Möglichkeit einer „historisch kleinen Ernte“.

Die hiesigen Kartoffelbauern werden dabei wohl durchaus trotzdem etwas anzubieten haben: „Wir können den Markt vernünftig versorgen“, sagte Peters. Mit Blick auf die Erlöse für die Erzeuger warnte er allerdings vor überzogenen Erwartungen: „Man sollte die Ware nicht zurückhalten in der Hoffnung, dass der Preis steigt.“

Tenor der gestrigen Veranstaltung: So schlimm wie manch andere Länder und Regionen trifft es den Nordkreis und angrenzende Gebiete bei der Kartoffelernte nicht, in Großbritannien fehlt wohl eine halbe Million Tonnen, in Belgien werden die Pommes-Werke nervös, und wo in den neuen Bundesländern nicht beregnet werden kann, wird mit einer äußerst kleinen Ernte gerechnet.

Der Nordkreis kann beregnen – und welche Herausforderung das bisher war, das skizzierte der Darrigsdorfer Ludwig Meyer: 660 Millimeter Niederschlag pro Jahr seien in dieser Gegend normal, im zu feuchten 2017 seien es 1060 Millimeter gewesen, dieses Jahr bislang aber gerade einmal 260. Hinzu kommt wegen der hohen Temperaturen eine hohe Verdunstung – Meyer hat am Dienstag letzter Woche auf dem Acker 37,9 Grad gemessen.

Konsequenz all dessen waren vier Beregnungsgänge à 30 Millimeter – in normalen Jahren, so Meyer, wird ein bis zweimal beregnet. So diagnostizierte denn auch Norika-Vertreter Walter bei einigen Teilnehmern des Kartoffelfeldtags „leichte Ringe unter den Augen vom Beregnung-Ausziehen“. Ein Sommer, der an den Kräften zehrt.

Von Holger Boden

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