Richtige Straße, falscher Ort

Ohrdorfs Ortsbürgermeister Dirk Faust sieht wie seine Ratskollegen die Umbenennung der Dorfstraße als sinnvoll an.

Ohrdorf - Von Holger Boden. Verzögerungen bei Anlieferungen, falsche Zustellungen – das sind die Folgen, wenn es einen Straßennamen unter derselben Postleitzahl mehrfach gibt. Das gilt erst recht im Navi-Zeitalter, wo Lkw-Fahrer schon mal durch Wittingen durchbrausen, um in der Radenbecker Bahnhofstraße festzustellen, dass ihre sprechende Straßenkarte sie in den falschen Ort gelotst hat.

In Ohrdorf zieht man aus solchen Zuständen nun die Konsequenzen: Die „Dorfstraße“, die es ein paar Kilometer weiter in Radenbeck noch einmal gibt, soll nicht mehr Dorfstraße heißen. Ausschlaggebend dafür war letztlich ein Ereignis, das weit gravierender ist als ein zu spät ausgeliefertes Paket: Ein bestellter Krankenwagen war zunächst in die Radenbecker Dorfstraße gefahren – und erst dann zu seinem eigentlichen Ziel in Ohrdorf. In solchen Fällen kann es um Leib und Leben gehen, und der Vorfall war denn auch das Hauptargument für den Ohrdorfer Gemeinderat, der am Dienstagabend einstimmig für eine Umbenennung seiner Dorfstraße votierte.

Vorausgegangen waren, wie Ortsbürgermeister Dirk Faust berichtete, zwei gutbesuchte Anliegerversammlungen, die letzte davon in der vergangenen Woche. Während sich Zuspruch und Ablehnung in der ersten Versammlung in etwa die Waage gehalten hätten und Kritiker sich mit einer Unterschriftensammlung gegen die Umbenennung stark gemacht hätten, sei beim zweiten Treffen die Stimmung dann doch zugunsten eines neuen Straßennamens gekippt. Auch hier war offenbar das Vorkommnis mit dem Krankenwagen maßgeblich.

Freilich ist eine Umbenennung nicht ganz ohne: Anlieger müssen bei zahlreichen Behörden und Institutionen ihre Adressänderung bekannt machen, und eine Firma soll darauf verwiesen haben, dass bereits gedrucktes Werbematerial den bisherigen Straßennamen trägt. „Wir haben uns die Entscheidung deshalb auch nicht leicht gemacht“, sagte Faust.

Eine halbjährige Karenzzeit soll nun helfen, allen Beteiligten die Veränderung zu erleichtern. Die Umbenennung, die vom Wittinger Stadtrat noch ratifiziert werden muss, soll zum 1. Juni nächsten Jahres erfolgen – diesen Zeitpunkt hat auch die Stadtverwaltung empfohlen. Für eine Übergangszeit nach dem 1. Juni soll der alte Straßenname zunächst einmal unter dem neuen hängen bleiben, in durchgestrichener Form.

Als neuen Namen hat der Ortsrat die Bezeichnung „Eichelkamp“ gewählt. Das erinnere, so Faust, an alte Flurstück-Namen, passe zu den an der Dorfstraße stehenden Eichen und habe zudem einen wichtigen Vorteil: Den Namen gibt es im Stadtgebiet noch nicht.

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