Bezirksversammlung in Wittingen: Agrarreform verunsichert Landvolk

„Reformen häppchenweise“

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Zogen jetzt Jahresbilanz: Landvolk-Kreisgeschäftsführer Klaus-Dieter Böse (links) und Vorsitzender Joachim Zeidler.

Isenhagener Land. Die Landwirte im Gebiet des Landvolk-Kreisverbandes Gifhorn-Wolfsburg haben das zurückliegende Jahr trotz erheblicher Herausforderungen durch Wetterkapriolen (das IK berichtete) einigermaßen unbeschadet überstanden.

Das führte der Vorsitzende des Verbandes, Joachim Zeidler, am Montagabend bei der Bezirksversammlung in Rühlings Hotel in Wittingen aus.

Klaus-Dieter Böse, Geschäftsführer des Landvolk-Kreisverbandes, erläuterte im vollbesetzten Saal, dass für die Landwirte in der Zeit zwischen 2014 und 2020 noch alles offen sei, solange der Haushalt der Europäischen Union nicht beschlossen ist.

Zeidler führte den Erfolg der heimischen Landwirtschaft unter anderem auf den guten Ertrag durch Steckrüben und die Möglichkeiten der Beregnung in Trockenzeiten zurück. Höheren Erträgen stehe jedoch stets ein höherer Aufwand gegenüber. Das vergangene Jahr habe mit einem milden Winter begonnen, der in eine starke Frostperiode mündete, gefolgt von einer Frühjahrstrockenheit. Die Feldberegnung und gesunde Bestände hätten in der Region die Ernte gesichert, obwohl der Juli wieder verregnet war. Trotz eines verhältnismäßig guten Marktes stiegen die Betriebsmittelpreise stärker als die Erzeugerpreise, die heutzutage vom internationalen Handel bestimmt werden.

Neue Betriebszweige wie die Erzeugung von Bio-Energie bildeten einen weiteren Wirtschaftsfaktor und somit die Möglichkeit, Arbeitsplätze in den Dörfern zu schaffen und zu erhalten. Eine gute Infrastruktur, starke Genossenschaften und ein effektiver Landhandel sorgten im Verbandsgebiet mit dafür, dass die Landwirte zuversichtlich in die Zukunft blickten, sagte Zeidler.

Durch die Landtagswahlen in Niedersachsen und die angestrebte Agrarwende müssten die Landwirte allerdings mit Entscheidungen rechnen, „die uns nicht passen“, beispielsweise bei Tierhaltung und Düngung. Zeidler appellierte an die Versammlung, dass der Einzelne nicht „etwas anderes vorhaben“ dürfe, wenn man mal irgendwo hinfahren müsste, um zu demonstrieren.

Geschäftsführer Böse warnte vor inhaltlosen Gerüchten in Bezug auf die Agrarreform. Alles sei derzeit offen, nichts in Verordnungen gefasst, und das bleibe auch so, solange es keinen EU-Haushalt für die Jahre 2014 bis 2020 gebe. Sollte da nicht bald etwas geschehen, müsse man damit rechnen, dass zunächst alles beim Alten bleibe. Damit kämen in den nächsten ein bis zwei Jahren „die Reformen häppchenweise“, meinte Böse. Das sei schlecht für die Landwirte, die jedes Jahr ihre Planungen umkrempeln müssten.

Böse hob die angestrebte landwirtschaftliche Fachbeteiligung am Regionalen Raumordnungsprogramm hervor. Demzufolge sollen künftig 30 Prozent der Nutzfläche als Vorranggebiet für die Landwirtschaft ausgewiesen werden. Dies bedeute einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Versorgungssicherheit.

Von Horst Michalzik

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