In der Diskussion um die A 39-Libelle empfiehlt der Kreis-Umweltausschuss: abwarten

Räumung erst einmal ohne Folgen

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Nachdem das Vorkommen des geschützten Insekts westlich von Glüsingen und Darrigsdorf bekannt geworden war, wurde die vorgesehene Autobahntrasse um 100 Meter näher an die Orte gelegt.

Glüsingen. Die vermeintlich zu gründliche Räumung zweier Gräben bei Glüsingen soll vorerst keine Konsequenzen haben. Solche hatten die Grünen im Kreistag gefordert, die nach der im Herbst erfolgten Räumung einen Lebensraum für die Vogel-Azurjungfer zerstört sahen.

Der Umweltausschuss des Landkreises folgte der Argumentation am Montag nicht und empfahl mit Blick auf die Population der Libelle: abwarten.

Bekannt geworden war die Vogel-Azurjungfer durch ihre Rolle in den A 39-Planungen: Nachdem das Vorkommen des geschützten Insekts westlich von Glüsingen und Darrigsdorf bekannt geworden war, wurde die vorgesehene Autobahntrasse um 100 Meter näher an die Orte gelegt.

Angesichts des aus ihrer Sicht zerstörten Lebensraums stellen die Kreistags-Grünen nun die Frage nach Verantwortung und einer Wiederherstellung des alten Zustandes. „Oder es müsste zumindest ein Ausgleich geschaffen werden“, sagte der Grünen-Abgeordnete Arne Duncker. Geräumt wurden der Ziegeleigraben und der Moosgraben durch den Aller-Ohre-Verband, Auftraggeber war die Stadt Wittingen. Auch der Gifhorner BUND forderte „Maßnahmen zur weitestgehenden Behebung des Schadens“.

Der Ausschuss schloss sich allerdings mit weitgehender Einigkeit der Sichtweise des Umweltamtes an. Fachbereichsleiterin Antje Präger argumentierte, die Grabenräumung sei seit Jahren regelmäßig auf dieselbe Weise erfolgt, mal im Jahres-Rhythmus, mal auch nur alle zwei Jahre. Trotz dieser Art der Unterhaltung habe die Libelle sich angesiedelt. CDU-Mann Heinrich Pahlmann meinte, dass ein Graben ohne Räumung auf Dauer verlande – dann werde es erst recht kein Libellen-Vorkommen mehr geben.

Ob die jüngste Grabenräumung nun dem Vorkommen des Insekts abträglich war, sei derzeit nicht zu beantworten, sagte Präger, die auch Vorsteherin des Aller-Ohre-Verbands ist: „Wir wissen es nicht.“ Sie riet dazu, die Gewässer sich selbst zu überlassen, um festzustellen, ob die Räumung sach- oder unsachgemäß erfolgte. Da man nicht sagen könne, ob ein Schaden entstanden sei, sei es wenig zielführend, einen Antrag auf Verfolgung der Sache voranzubringen.

Für Abgeordnete wie den Ausschussvorsitzenden Jochen Gese (CDU) und Inge Elvers (SPD) stellte sich die Frage, ob die Politik in dem Fall überhaupt zuständig sei. Gese: „Wir können nicht beschließen, ob rechtswidrig gehandelt wurde oder nicht. Wenn es um eine Ordnungswidrigkeit gehen sollte, dann ist ein Verwaltungsakt gefragt.“

Für den Grünen-Antrag stimmte am Ende nur Duncker selbst. Der Rest votierte für Geses Alternativ-Antrag, dass die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises die Sache beobachten, die rechtliche Situation prüfen und mit der Stadt Wittingen das weitere Verfahren abstimmen solle.

Von Holger Boden

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