Touristisches Konzept liegt im Rathaus vor

Per Draisine zum Kaffeetrinken: Räumaktion auf alten OHE-Schienen bei Suderwittingen

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Karl-Heinz Adam und sein Enkel Paul gestern beim Freischneiden der OHE-Trasse nördlich von Suderwittingen.

Wittingen/Suderwittingen. Grau, soweit das Auge reicht. Aus der Nieselregen-Nebel-Mischung an der alten OHE-Trasse zwischen Wittingen und Suderwittingen dringt gestern Vormittag immer wieder mal das Knattern einer Motorsäge.

Der Wittinger Karl-Heinz Adam und sein Enkel Paul machen den Weg frei.

Mit Säge und Astschere bewaffnet, räumen die beiden Bäume und Sträucher vom Schienendamm. Dafür, dass bis 2005 noch Holztransporte auf der Strecke rollten, sind die Gewächse mitunter recht massiv. Eine gedrungene Kiefer kommt auf einen Stammdurchmesser von knapp 20 Zentimetern.

Adam will ein Zeichen setzen: Er will den Wittingern zeigen, dass auf der Strecke Draisinenfahrten möglich sind, und dass sie eine Bereicherung für das Stadtgebiet sein können.

Was aus dem alten Bahndamm zwischen Wittingen und Radenbeck mal wird, ist freilich noch völlig offen – die Stadt will Möglichkeiten für die Nachnutzung per Gutachten abklopfen lassen (das IK berichtete). Inzwischen hat der Draisinen-Befürworter Friedrich O. Winkelmann für den Förderverein Ohretalbahn dem Rathaus auch eine Präsentation vorgelegt, in der skizziert wird, wie man sich die Einbindung von Draisinenfahrten in ein touristisches Konzept für den Nordkreis vorstellen könnte.

Die Draisinenfreunde sehen gastronomische Betriebe als strategische Partner, verweisen auf bestehende Unternehmen wie das Suderwittinger Hofcafé oder im Entstehen begriffene Locations wie die Event-Scheune in Kakerbeck. Angeregt wird ein Pachtvertrag zwischen der Stadt als neuem Eigentümer der Strecke und dem Förderverein. Die Südheide Gifhorn solle als Partner für die Vermarktung ins Boot geholt werden, und Winkelmann verweist auch auf eine Verzahnung mit Kutschfahrten, die schon vor Jahren im Zuge des QiN-Prozesses diskutiert wurden.

Nachhaltiger, sanfter Tourismus mit einem gewissen Alleinstellungsmerkmal – das ist es auch, was Adam vorschwebt, wenn er die Bäume von den Schienen sägt. Die Skepsis gegenüber Draisinenfahrten, gegenläufige Interessen von Landwirten, Überlegungen für einen Radweg auf dem Bahndamm – all das ist ihm bewusst. Er glaubt, dass die Trasse genug Platz neben den Gleisen bietet, um auch einen Radweg anzulegen, das widerspreche nicht den Draisinenfahrten. Und vielleicht komme es ja auch zu einer Art Kompromiss: eine Draisinenstrecke von Ohrdorf bis Wittingen, ein Radweg von Radenbeck bis Ohrdorf. Und das Ganze könne man dann vielleicht noch mit Grenzlandtouren per Fahrrad vernetzen.

Der Wittinger Rentner, der nach dänischem Vorbild selbst Draisinen konstruiert hat, plant für die nächsten Tage eine Fahrt auf der freigeschnittenen Trasse vom ehemaligen Südbahnhof bis Suderwittingen: „Zum Hofcafé Berlinecke, zum Kaffeetrinken. da freue ich mich schon drauf.“

Von Holger Boden

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