Die QiN-tessenz

Hans-Joachim Michaelis warb mit Keksen in Stiefelform für die Positionierung Wittingens als „Schusterstadt“. Fotos: Boden

Wittingen. Die bei der Innenstadt-Initiative QiN engagierten Wittinger verdienten sich am Montagabend noch einmal ein Extra-Lob: Nach einem mehr als dreistündigen Marathon, bei dem im Foyer der Stadthalle alle Projekte aus den Arbeitskreisen noch einmal vorgestellt wurden, trafen sie ihre Auswahl für eine Prioritätenliste der Projekte, die zuerst umgesetzt werden sollen. Ganz vorne landete dabei mit 29 Punkten die Änderung der Verkehrsführung in Wittingen.

Die Ungereimtheiten bei der existierenden Beschilderung der Innenstadt, die Michael Horey samt Alternativvorschlägen präsentierte, waren wohl so überzeugend, dass ein großer Teil der Anwesenden Handlungsbedarf sah. Ob die Empfehlungen (neben neuen Schildern zum Beispiel: Lange Straße durchgehend in einer Richtung, Umkehrung der Fahrtrichtung zwischen Fulau und Gänsemarkt) am Ende politisch mehrheitsfähig sind, wird sich zeigen.

Auf Platz zwei landete mit 23 Punkten das Projekt „Unterstützung für Existenzgründer“, als drittwichtigstes Vorhaben sahen die QiN-Teilnehmer einen Image-Flyer an, der Wittingen als „Stadt der Familien und Generationen“ vermarkten soll.

Das Projekt „Historische Führungen durch die Stadt Wittingen“ kam, für manchen etwas überraschend, nur auf Platz vier. Es beinhaltet neben kurzfristig machbaren Vorhaben wie Infotafeln und Wegweisern auch die Idee eines Schustermuseums und der Positionierung Wittingens als „Schusterstadt“. Möglich, dass mancher wegen der Langfristigkeit dieser Idee sein Kreuz woanders gemacht hat.

Auf den Plätzen 5 und 6 landeten ein Internetportal für Leerstände und die Vergabe von Sternen für Kundenzufriedenheit an Betriebe.

Viel Applaus gab es zwar für die Präsentation von Regina Schulze, die herausgearbeitet hatte, was jungen Leuten in Wittingen fehlt – doch punktemäßig reichte es ebenfalls nur zu Platz 6. Das mag daran liegen, dass viele gewünschte Verbesserungen (Mode-, Möbel- und CD-Läden, Disco, Bar) nur auf privatwirtschaftlicher Basis zu erreichen sind.

Für das Haus Kreyenberg und seine Wiederbelebung reichte es mit 11 Punkten nur zu Rang 7. Dass die „Rundfahrten und Wanderungen durch die Wittinger Ortsteile“ mit 7 Punkten abgeschlagen auf Platz 8 kamen, darf vielleicht so interpretiert werden, dass es den meisten QiN-Teilnehmern zunächst einmal um Projekte im Kernort geht.

Gesetzt ist die Aufstellung eines Leitbildes für Wittingen. Im Entwurf, den Anne Sölter und Uwe Hoppmann präsentierten, stehen zahlreiche Vorhaben, die Wittingen als „l(i)ebenswerte“ Stadt für alle Generationen etablieren sollen. Eine Markthalle für Hofläden, Biergarten-Atmosphäre auf dem Marktplatz, die Aufwertung der Nachtweide – die vielfältigen Vorschläge, die eine Richtschnur für das kommunale Handeln der nächsten Jahre werden sollen, zeigen das Potenzial, das „gehoben“ werden kann, wenn sich weiterhin engagierte Bürger finden – und das nötige Kleingeld.

Wirtschaftsamtsleiter Günter Kruse sagte, im Rathaus werde man nun die Kosten der Projekte ermitteln und damit in die politischen Gremien gehen. Restmittel aus dem QiN-Projekt sind noch vorhanden, gleichzeitig soll beim Niedersächsischen Sozialministerium weitere Unterstützung beantragt werden. Schon in den nächsten Monaten sollen erste Prioritäten abgearbeitet werden, nach dem 1. November könnten dann weitere Födergelder zur Verfügung stehen. Zudem wird auch der städtische Haushalt gefragt sein.

Liegt die Antwort aus Hannover vor, sollen alle Projekte auch noch einmal öffentlich vorgestellt werden. Eventuell liegt dieser Termin noch vor Ostern. Das QiN-Projekt könnte mit einem dauerhaft eingerichteten Forum aus interessierten Arbeitskreismitgliedern fortgeführt werden.

Von Holger Boden

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