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Projekte für Millionen im Wittinger Hafen

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Von: Holger Boden

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Die Bahnlinie über dem Wittinger Hafen.
Der Blick geht nach Süden: Jenseits der Bahnlinie will die Stadt 44 Hektar Gewerbe-Areal erschließen. Im Osten des Hafengeländes sollen zudem noch einmal über 30 Hektar hinzukommen. © Boden, Holger

Wittingen – Termine, bei denen es um den Wittinger Hafen geht, sind in Wahlkampfzeiten üblich. Dieses Mal gibt es allerdings auch sehr viel zu erzählen, wie die CDU-Kandidatin für den Landtag, Lena-Sophie Laue, gestern Vormittag im Rathaus erfuhr. Die Stadt steht bei der Entwicklung des Areals vor komplexen Herausforderungen. Die für Wittingen eigentlich positive Nachricht, die die Stadtverwaltung parat hatte: Für die geplante südliche Erweiterungsfläche gibt es einen Interessenten, der 30 Hektar nutzen will.

Das geht allerdings nicht kurzfristig, denn die insgesamt 44 Hektar südlich des bestehenden Hafengeländes müssen zunächst die üblichen Verfahren der Bauleitplanung durchlaufen. Und hinsichtlich der Detailplanung gibt es noch einige offene Fragen.

Dicke Bretter zu bohren

Da wäre die Erschließung: Im Rathaus sieht man es zwar als machbar an, dass die im Osten, nach Mannhagen hin gelegenen 35 Hektar Erweiterungsfläche über die bestehende Hafenzufahrt mit erschlossen werden. Mit den 44 Hektar im Süden werde es da schon schwieriger, erklärte Fachbereichsleiter Günter Kruse. Eine neue Zufahrt, die im Bereich Mannhagen entstehen könnte, stoße aber noch auf Vorbehalte bei der Straßenbehörde des Landes.

Eine weitere Herausforderung ist in dem Zusammenhang die Querung der Bahntrasse, die für ein neues südliches Hafen-Areal nötig wird. „Das geht nur mit erheblichem Aufwand“, sagte Kruse. Die bisher favorisierte Lösung ist die Ertüchtigung des vorhandenen Übergangs bei Hahnenberg.

Für die südliche Erweiterung gilt also generell, dass noch einige dicke Bretter zu bohren sind. Dazu gehört auch die Frage, welche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für einen acht Hektar großen Wald fällig werden, der den Plänen weichen soll.

Die wohl größte Frage ist allerdings finanzieller Art. Eine Kostenschätzung für die Süderweiterung inklusive einer neuen Umschlagsanlage am Kanal beläuft sich nach Angaben von Stadtbürgermeister Andreas Ritter auf 150 Millionen Euro – das wäre in etwa das siebenfache eines jährlichen Haushaltsvolumens der Stadt. „Das können wir natürlich nicht stemmen“, sagte Ritter.

Ohne Zuschüsse geht gar nichts, doch selbst mit Fördergeldern klingen 150 Millionen Euro schwer darstellbar. Ritter sagte aber auch, dass eine Umschlagstelle im Südbereich vielleicht erst einmal gar nicht nötig wäre. Die marode Liegestelle am bestehenden Hafen soll – so das Ziel der Stadt – demnächst dem Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) abgekauft und dann für Schwerlastumschlag ertüchtigt werden.

Die Kosten dafür werden aktuell auf 5,2 Millionen Euro taxiert, schon das ist – trotz Fördermitteln – für die Stadt ein Schluck aus der Pulle. Am heutigen Donnerstag ist Submission – man ist im Rathaus gespannt, welche Angebote kommen. Gebaut werden soll dann 2023, das jährliche Umschlagsvolumen im Hafen würde von jetzt 350 000 auf 500 000 Tonnen steigen. Beendet wäre dann ein seit 2008 währendes Tauziehen um die Liegestelle, für die das WSA einst 1,5 Millionen Euro aufgerufen hatte. Nun soll die Kaikante mit der dahinterliegenden Fläche für 136 000 Euro den Besitzer wechseln.

Ein anderer Grund, warum weiter im Süden womöglich keine Umschlagmöglichkeit gebaut werden muss: Das Unternehmen, das sich für 30 Hektar interessiert und dessen Name gestern nicht genannt wurde, sei „nicht Hafen-affin“, hieß es. Ritter zufolge denken die Stadt und die Firma über einen „Letter of Intent“ nach, also über eine gemeinsame Absichtserklärung zur Entwicklung der Fläche. Das Unternehmen sehe das Wittinger Hafen-Areal als „Zukunftsstandort“. Was zweifellos mit dem erwarteten Verkehrsträger-Mix aus Kanal, Eisenbahn und Autobahn zusammenhängt. Laue erkannte, dass „hier vieles mit der A 39 steht und fällt“.

13 Kilometer Schiene werden saniert

In Ritters Auge wäre es für die gesamte Entwicklung des Geländes ein riesiger Vorteil, ein Unternehmen an Bord zu haben, mit dem sich konkrete Pläne vorantreiben lassen. Das, so seine Einschätzung, würde sicher helfen, das gesamte Verfahren zu beschleunigen. Zumindest sei das der Eindruck, der sich aus dem schnellen Vorgehen beim Trinity-Projekt in Wolfsburg gewinnen lasse.

Im Rathaus kann man sich auch ein Güterverkehrszentrum vorstellen, das zwischen der geplanten Autobahn und dem Hafengebiet entstehen könnte. Ein solches Vorhaben ist aber laut Kruse ebensowenig im Raumordnungsprogramm des Landes gelandet wie die Ertüchtigung der Bahnstrecke Wittingen-Celle. Deren neuer Besitzer, die Schieneninfrastruktur Ost-Niedersachsen GmbH, plant aber immerhin die Sanierung von 13 Kilometern der Trasse.

Insgesamt also noch viele Hausaufgaben für alle Beteiligten. Laue, die von der Gifhorner CDU-Europaabgeordneten Lena Düpont begleitet wurde, sagte ihre Unterstützung zu, sollte sie ins Landesparlament gewählt werden. Düpont will sich ebenfalls für die Wittinger Hafen-Pläne stark machen, insbesondere auch an der Fördermittel-Front.

Ritter und Kruse verhehlten nicht, dass es bei den umfangreichen Hafen-Vorhaben auch eine Kehrseite gibt: den Flächenverbrauch, der noch zu dem Bedarf für die A 39 hinzu addiert werden muss. „Die Verknappung führt zu steigenden Pachtpreisen, das ist schon ein Problem“, sagte Ritter. Proteste aus dieser Richtung gebe es aber bisher nicht. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Walter Schulze betonte, die Wittinger Politik bekenne sich zu der geplanten Hafenentwicklung.

Sorgen um A 39-Zeitplan

Sorgen macht unterdessen der zeitliche Versatz der Planung für die Autobahnabschnitte 5 und 6, die bei Mannhagen aufeinandertreffen. Nach derzeitigem Stand könnte das südlichere Teilstück 6 deutlich früher baureif werden als Abschnitt 5. Dann müsse der Autobahnverkehr aus Richtung Süden vielleicht über Jahre über das bestehende Straßennetz durch Wittingen und Hankensbüttel abfließen.

Kruse sagte, die Stadt habe deshalb eine Wittinger Südumgehung ins Spiel gebracht. Die habe es aber auch nicht ins Raumordnungsprogramm des Landes geschafft.

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