Projekt voller Fass-zination

Hat nichts verlernt: Heinrich Gades in Aktion.
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Hat nichts verlernt: Heinrich Gades in Aktion.

Knesebeck. Der Vorsitzende des Knesebecker Heimat- und Kulturvereins spricht von einem „Fass-zinierenden“ Projekt: Geht der Plan von Heinrich Wolter und Heinrich Gades sen. auf, dann legen bald Reisegruppen aus den verschiedensten Regionen Deutschlands Knesebeck auf ihre Route, um das „Deutsche Böttcher- und Küfermuseum“ zu besichtigen. Von Holger Boden

Damit ein Museum den bundesweiten Rang im Namen führen darf, müssen freilich Qualitätskriterien erfüllt werden – und genau das haben die Initiatoren in Knesebeck auch vor. „Wir wollen nicht lediglich eine alte Werkstatt ein bisschen durchfegen“, sagt Wolter.

Das Museum, das auf dem Grundstück der Familie Gades entstehen soll, soll das Böttcher- und Küferhandwerk „vom Holz bis zum Fass“ zeigen, auf 500 bis 700 Quadratmetern, modern präsentiert, barrierefrei. Hier an der Wittinger Straße 17, wurde diese alte Handwerkskunst, die allein 78 verschiedene Ovale kennt, über drei Generationen professionell ausgeübt. Gades‘ Großvater baute 1887 eine Böttcherei auf, sein Vater übernahm 1926. Heinrich Gades, der 1954 mit 23 Jahren sein Meisterstück machte, führte den Betrieb von 1958 bis 1970, bevor er sich der Kirchenmusik widmete.

Doch die Werkzeuge eines Böttchers beherrscht der 79-Jährige nach wie vor, seine Werkstatt gibt es noch – und die soll nun zum Herzstück des Museums werden. Den Besuchern soll das alte Handwerk in seinen verschiedenen Epochen dargestellt werden. „Mir liegt am Herzen, dass man das Handwerk von seinen Anfängen an sehen kann“, sagt Gades, der persönlich vor Publikum produzieren will. Neben Exponaten aus seiner Werkstatt sollen auch Objekte angekauft werden.

Die Zusammenarbeit mit der Braunschweiger Marketing-Agentur just be agency und dem Hannoveraner Gestaltungsbüro ikon soll eine erstklassige Vermarktung ebenso sicherstellen wie eine hochwertige Konzeption und Ausstellungsplanung, basierend auf den Vorgaben des internationalen Museumsrates ICOM. Die Einrichtung soll gleichzeitig außerschulischer Lernort werden.

Vorgesehen ist auch eine Vernetzung mit Tourismusorganisationen, anderen regionalen Attraktionen und Gastronomie. Wolter ist sicher, dass Knesebeck von dem Museum erheblich profitieren kann: „Dadurch werden hier Arbeitsplätze entstehen.“

Auch wenn mit dem Gades‘schen Anwesen der Grundstock für die Stiftung gelegt ist – solch ein Projekt braucht Unterstützung. Die haben der Ortsrat und der städtische Verwaltungsausschuss schon einhellig signalisiert. Viel zu verteilen haben sie indes nicht, und so läuft die Akquise von Fördergeldern. Wolter soll den Vorstand der noch zu gründenden Stiftung führen. In diesem Gremium soll neben Heinrich Gades auch Günter Kruse als Vertreter der Stadt sitzen.

Und wer glaubt, dass Böttcher und Küfer „nur“ Bottiche und Butterfässer herstellen, der kann sich voraussichtlich ab 2012 eines Besseren belehren lassen: Gades hat einst für seine Kinder auch eine hölzerne Badewanne hergestellt.

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