Radwege in Wittingen: Bürger und Ortspolitiker sehen Handlungsbedarf

Problemzonen wie vor 30 Jahren

+
Stehen dort, wo ihrer Auffassung nach ein Radweg hingehört: Ulrich Siemer (v.l.), Hans Chojnacki, Wolf-Ingo Bellin, Lothar Brause, Brigitte Redlefs, Hannelore Großmann und Jochen Bellin.

Wittingen. Wittingen braucht ein Radwegenetz. Darin stimmten die meist älteren Herrschaften überein, die sich jetzt zum Ortstermin an der Knesebecker Straße trafen.

Sie hätten auch eine der anderen Ausfallstraßen wählen können, denn Probleme scheint es für Radfahrer fast überall zu geben, vor allem für die Senioren unter ihnen.

So war denn die Tatsache, dass an der innerörtlichen L 286 – der Knesebecker Straße – der Radweg nie bis zum Wall zuende gebaut worden ist, nur einer von vielen Kritikpunkten. Jochen Bellin, der zu dem Treffen eingeladen hatte, verwies auf uralte politische Diskussionen aus dem Jahr 1980. Schon damals war der Mangel erkannt worden, das so genannte Schubert-Gutachten zeigte den Handlungsbedarf auf.

Die B 244, der innerstädtische Ring, der Umweg, die Dammstraße, die Junkerstraße, die Langer Straße – sie alle sollten Radwege bekommen. „Passiert ist nichts“, moniert Bellin, der zudem an ein Wahlversprechen der SPD von 1996 erinnert, dass Radwege gebaut werden sollen. Nun, findet Bellin, sei es Zeit, dass der Ortsrat sich des Themas mit Verve annehme.

Das sehen auch die CDU-Ortsratsmitglieder Lothar Brause, Wolf-Ingo Bellin und Ulrich Siemer so, die nun entsprechende Anträge stellen wollen. Ein erster Schritt, so Bellin, müsse im Zuge der anstehenden L 286-Sanierung der Bau eines durchgehenden Radwegs an der Knesebecker Straße sein.

Dort hörten die Ratsherren sich auch an, was beispielsweise die Wittingerin Hannelore Großmann zu berichten hatte. Sie sei am Krankenhaus mit ihrem Fahrrad fast von einem Fahrzeug erfasst worden, an der Kreuzung Gustav-Dobberkau-Straße/Bürgermeister-Heins-Straße. Und es sei enttäuschend, dass vom Bereich der Südstraße zum neuen Einkaufszentrum keine Verbindung existiere, und dass Radfahrer stets über den Hindenburgwall fahren müssten.

Die Wittingerin Brigitte Redlefs, wie Großmann 77 Jahre alt, schilderte ihre Erlebnisse an der Bahnhofstraße, wo „kaum jemand auf dem Fuß-Radweg in die richtige Richtung“ fahre. Im Bereich des Friedhofes sei es „ganz schlimm“.

Am Ortstermin nahm auch Hans Chojnacki teil. Der Vorsitzende des ADAC-Ortsclubs hatte für die Situation der Radfahrer in Wittingen eine kurze, aber deutliche Beschreibung parat: „Katastrophe.“ Dies liege nicht nur an fehlenden Radwegen, sondern auch am Verhalten mancher Radfahrer selbst: „Viele fahren einfach so, wie sie möchten – auf Gehwegen, verkehrtherum durch Einbahnstraßen, und so weiter.“ Zum einen gebe es zu wenige Kontrollen, zum anderen sei das Fehlverhalten den Radlern mangels legaler Alternativen aber auch kaum zu verdenken: „Es ist halt nix da, sichere Radwege gibt es nicht.“

Die Problemzonen, da war man sich im kühlen Wind an der Knesebecker Straße einig, sind dieselben, die auch schon vor über 30 Jahren identifiziert wurden. Jochen Bellin forderte, dass die Bürger in etwaige Planungen der Zukunft eingebunden werden, auch der ADAC solle beteiligt werden. Der hat für Kommunen einen Leitfaden mit Anforderungen für innerörtliche Radwege herausgegeben.

Chojnacki sah beispielsweise für die Bahnhofstraße durchaus Platz-Potenzial für einen Radweg und verwies zudem darauf, dass schon kleine Maßnahmen große Wirkung haben könnten: Man müsse nur einmal die Friedhofshecke beschneiden, dann enge sie im Sommer nicht den Raum auf dem Fuß- und Radweg ein.

Von Holger Boden

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare