Wittingen: Gegensätzliche Ansätze bei der Suche nach einer Zukunft für Haus Kreyenberg

Privat oder Staat?

Egal, wer am Ende Haus Kreyenberg saniert – das Projekt wird eine Mammutaufgabe. Foto: Boden

Wittingen. Kurz vor der Kommunalwahl kommt in Wittingen noch einmal neue Bewegung in die Diskussion um Haus Kreyenberg. Nach Ansicht des Heimatvereins sollte „zunächst einmal das Haus in das Eigentum der Stadt Wittingen übergehen“.

Und: „Wie dann die Sanierung und Verwaltung des Hauses und die Eigentumsverhältnisse weiter gehen, muss dann in aller Ruhe entschieden werden. “.

Mit diesem Schreiben ist klar: In Wittingen stehen nun zwei konkurrierende Denkvarianten zum Umgang mit dem ältesten Haus der Stadt im Raum. Privat oder Staat? Der Heimatverein möchte einen Erwerb durch die Stadt, der Freundeskreis will mit seinem Vereinsmodell eine Lösung auf privater Basis. Zuschüsse der einen oder anderen Art werden bei beiden Alternativen nötig sein.

Der Vorstoß des Heimatvereins dürfte nun auf die Agenda der städtischen Politik kommen. Stadtbürgermeister Karl Ridder will heute Abend den Verwaltungsausschuss über das Schreiben informieren, wie es dann weitergeht, bleibt abzuwarten. Vermutlich wird das Thema die Fachausschüsse und den Ortsrat beschäftigen.

Im Jahr 2006 war das Gebäude bei einer Zwangsversteigerung für etwas mehr als 2500 Euro über den Tisch gegangen. Schon damals fürchtete allerdings eine Mehrheit in der Wittinger Politik, dass die Folgekosten zu groß werden, so dass die Verwaltung seinerzeit kein Mandat für einen Kauf bekam. Seitdem ist es in Privatbesitz, doch am Zustand hat sich nichts verbessert.

In der Frage, ob sich die Stadt Wittingen in Sachen Kreyenberg finanziell engagieren sollte, kann der Heimatverein wohl mit Unterstützung aus den Reihen der CDU rechnen, für die der Vorsitzende Dr. Alfred Stein derzeit noch im Stadtrat sitzt. Fraktionschef Walter Schulze sagte auf IK-Anfrage, dass seine Partei nicht hinter der früher schon einmal getroffenen Zusage städtischer Zuschüsse zurückstehen wolle. Freilich bleibe abzuwarten, ob das in Privatbesitz befindliche Gebäude überhaupt an die Kommune verkauft werden würde, aber: „Die Stadt kann hier nicht die Hände in den Schoß legen.“

Das sieht man bei der politischen Konkurrenz nach wie vor anders: Die FWG setze auf private Initiative bei der Rettung des Gebäudes, sagt der Fraktionsvorsitzende Dr. Thomas Weiland und signalisiert damit Unterstützung für den Kurs des Freundeskreises. Das Haus zu übernehmen, sei angesichts der Folgekosten „Wahnsinn“, dieses Geld setze man lieber im Bereich der Familienpolitik ein.

Hans-Heinrich Koch, Chef der SPD-Fraktion, wollte sich gestern nicht endgültig festlegen, weil „nach der Wahl andere Ratsmitglieder“ im Stadtrat säßen. Aus heutiger Sicht könne er sich aber keinen Erwerb durch die Stadt vorstellen: „Das Geld dafür ist nicht da.“

Schulze sagt derweil, er halte es für wünschenswert, dass Heimatverein und Freundeskreis an einem Strang ziehen. Doch dafür sieht Stein keine Schnittmenge zwischen den Ansätzen beider Vereine. Eine etwaige Stiftung etwa sehe er angesichts der üblicherweise starren Stiftungssumme skeptisch: „Dann müssten auch Einnahmen kommen.“ Für ihn sei klar, dass die Stadt vor allem in der Anschubphase finanziell eingreifen müsse, später sollen dann Fördergelder eingeworben werden.

Friedrich O. Winkelmann, Vorsitzender des neugegründeten Freundeskreises und Noch-Mitglied der FWG-Fraktion im Stadtrat, glaubt dagegen „nicht, dass Politik hier der beste Berater ist“. Er will auf Bürger-Engagement setzen und sieht es zunächst als Hauptaufgabe seines Vereins an, ein „vernünftiges Konzept“ vorzulegen, um Sponsoren von der Rettung des Hauses zu überzeugen.

Auch wenn er städtisches Geld letztlich nicht ablehnen würde – Winkelmann fordert kein finanzielles Engagement der Stadt. „Ich sehe ein, dass zuerst die Pflichaufgaben erledigt werden müssen.“ Den möglichen Kaufpreis schätzt er inzwischen als wesentlich höher ein als noch vor fünf Jahren, denn in der Zwischenzeit seien Gutachten und andere Maßnahmen bezahlt worden. Mittlerweile rede man wohl über mehr als 50 000 Euro. Und wer das Gebäude erst einmal besitze, müsse auch sehr bald in die Standsicherung investieren. Angesichts der zu erwartenden Folgekosten habe er seinerzeit einem Nicht-Kauf bei der Zwangsversteigerung zugestimmt.

Von Holger Boden

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