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Das Aus für Neef + Stumme

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Von: Holger Boden

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Der Bundeswirtschaftsminister steht mit Vertretern von Neef + Stumme und der Landtagskandidatin Kirsikka Lansmann in den Produktionsräumen des Unternehmens.
Da wurde noch vor allem über Perspektiven gesprochen: Im Mai besuchte Bundeswirtschaftsminister Hubertus Heil (2.v.r.) das Unternehmen - das da längst in Schieflage war. © Boden, Holger

Wittingen – Das ist ein Schock für Wittingen und den ganzen Nordkreis: Nach 130 Jahren ist Schluss bei Neef+Stumme. Die 167 Mitarbeiter sind am Donnerstag über das Ende des Druckereibetriebs informiert worden und sollten am Freitag ihre Kündigungen bekommen. Ende November, wenn die längste Kündigungsfrist ausläuft, soll die letzte Druckmaschine ausgeschaltet werden.

Die Neef+Stumme GmbH war im April in ein Insolvenzverfahren gegangen – das dritte nach 2009 und 2018. Das Ziel war zunächst eine Sanierung im Eigenverwaltungsverfahren, wie der inzwischen zuständige Insolvenzverwalter Torsten Gutmann (PLUTA Rechtsanwalts GmbH, Hannover) erläutert. Als Wirtschaftsminister Hubertus Heil das Unternehmen im Mai besuchte, war lediglich von „Herausforderungen“ die Rede, ansonsten verbreitete das Führungsteam um Geschäftsführer Dr. Jochen Brinkmann seinerzeit auch viel Zuversicht.

Die Eigenverwaltung wurde am 1. August aufgehoben, als sich zeigte, dass eine Sanierung nicht gelingen würde. Weil die Navigator Group, die 2021 die Mehrheit bei Neef + Stumme übernommen hatte, sich ebenfalls im Insolvenzverfahren befand, musste laut Gutmann nun ein Investor gesucht werden, um das Wittinger Unternehmen noch zu retten. Das gelang am Ende nicht, Gespräche mit Interessenten blieben ergebnislos. „Diese Entwicklung ist vor allem für die motivierten Mitarbeiter, die den Sanierungsprozess der vergangenen Monate tatkräftig unterstützten, sehr bedauerlich“, sagt Gutmann.

Die Ursache der Pleite ist nicht im aktuellen Krisengemenge aus Ukraine-Krieg und hohen Energiepreisen zu suchen. Laut Gutmann schrieb Neef + Stumme seit 2018 operative Verluste von 10 bis 15 Prozent auf den Jahresumsatz. „Das Unternehmen macht hervorragende Produkte“, urteilt der Jurist, „aber die Kunden zahlen nicht den Preis, der dafür aufgerufen werden müsste.“ Heißt: Die Einnahmeseite stimmte nicht mehr.

Das sei zum Teil durch Verkauf von Anlagevermögen kompensiert worden. So wurden Gebäude schon vor dem Insolvenzverfahren an eine Immobiliengesellschaft veräußert. Zum Verkauf werden demnächst auch die Druckmaschinen stehen, doch zuvor sollen bis Ende November „noch so viele Aufträge wie möglich“ abgearbeitet werden, wie Gutmann erklärt. Diese sogenannte „Ausproduktion“ soll Einnahmen für die Insolvenzmasse bringen.

Für die Belegschaft sollte am Freitag ein Sozialplan unterzeichnet werden. Einige Mitarbeiter haben laut Gutmann neue Stellen in Aussicht. Vom Betriebsrat gab es auf IK-Anfrage noch keine Stellungnahme, dieser will sich nächste Woche äußern.

1892 war in Wittingen die Firma „Druckerei und Verlag Karl Neef“ gegründet worden, 1978 erfolgte die Fusion zu Neef+Stumme. Das Isenhagener Kreisblatt gehört seit 1991 nicht mehr zu dem Unternehmen.

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