Das Zusammentragen im Nordkreis hat Fahrt aufgenommen

Plastikdeckel gegen Polio: „Viele Menschen sammeln mit“

Machen sich stark für die Deckelsammlung für Polio-Impfungen: Karl-Heinz Gauert (v.r.). Käthe Winke, Joachim Balzerowski, Christa Jordan und Renate Piep. Foto: Boden
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Machen sich stark für die Deckelsammlung für Polio-Impfungen: Karl-Heinz Gauert (v.r.). Käthe Winke, Joachim Balzerowski, Christa Jordan und Renate Piep.
  • Holger Boden
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Zasenbeck/Wittingen. Kann das weg? Klar, aber bitte nicht in den üblichen Hausmüll: Flaschendeckel aus hochwertigem Kunststoff können trotz „Flasche leer“ noch wertvoll werden. 500 Stück von ihnen finanzieren eine Impfung gegen Kinderlähmung.

Und im Nordkreis wird fleißig mitgesammelt.

Zum Beispiel in Zasenbeck. Von dort fuhr Käthe Winke gestern mit Ortsvorsteher Karl-Heinz Gauert und ihren Mitsammlerinnen Renate Piep und Christa Jordan zur Wittinger Grundschule, um vier Säcke und einen Karton voller Flaschendeckel abzuliefern. Der Lehrer Joachim Balzerowski betreut an der Schule die Deckelsammlung, dort ist im Flur ebenfalls eine Sammelbox aufgestellt.

Winke hatte im Sommer über das Isenhagener Kreisblatt auf die sinnvolle Verwertung der Plastikverschlüsse aufmerksam gemacht – und ist beeindruckt von der Resonanz: „Durch den IK-Artikel sind viele Menschen zum Mit-Sammeln gekommen.“ Ihr Ortsvorsteher unterstützt das Anliegen voll und ganz: „Es ist doch toll, mit diesem Abfall noch etwas Sinnvolles zu tun und Erkrankungen zu verhindern.“ Winke betont, dass nicht nur Zasenbecker gesammelt haben, sondern auch viele Menschen etwa aus Knesebeck oder Hankensbüttel.

Kinderlähmung, auch als Polio bekannt, gilt in den meisten Ländern als ausgerottet, tritt aber in Pakistan, Afghanistan und Nigeria nach wie vor auf. Das einzige Mittel, um die Krankheit einzudämmen, sind Impfungen. Der Verein „Deckel drauf“ e.V. mit Sitz in Nürnberg hat sich zum Ziel gesetzt, Geld für Impfungen zu erwirtschaften, indem bundesweite an vielen Abgabestellen Kunststoffdeckel gesammelt werden, die dann an die Recycling-Industrie verkauft werden. Ein Kilo Deckel wird dabei mit etwa 30 Cent bezahlt.

Die Fäden des Deckel-Sammelns im Nordkreis laufen bei Ines Heidemann zusammen, die am Gymnasium Hankensbüttel unterrichtet. Sie hatte vor ein paar Jahren über Schüler mitbekommen, dass an der Privatbrauerei für „Deckel drauf“ gesammelt wird. Deshalb steht heute vor dem Lehrerzimmer des Gymnasiums ein großer Sammelbeutel für die Flaschendeckel aus Kunststoff. Diese Deckel wie auch die der Grundschule Wittingen leitet Heidemann über private Kontakte und den Rotary-Club Uelzen weiter an einen Verwerter, der für die Deckel bezahlt.

Kontaktmann beim Rotary-Club ist der Wierener Frank Ehlers. Er führt auch die Statistik der Hankensbütteler Sammelergebnisse – und die ist famos. Seit etwas mehr als einem Jahr seien 435 Kilogramm Deckel zusammengekommen, das entspreche rein rechnerisch etwa 218 000 Deckeln. Die Lieferungen vom Gymnasium lägen damit im oberen Drittel der 40 Sammelstellen, die der Rotary-Club betreut. „Unheimlich fleißig, keine Fehlwürfe – richtig toll“, lobt Ehlers. Und ein erfreulicher Nebeneffekt sei, dass die Schüler dabei Sozialkompetenz lernen.

Eine Sammelstelle ist auch vor dem Zasenbecker Dorfgemeinschaftshaus eingerichtet.

Von Holger Boden

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