Es formiert sich viel Widerstand gegen Pläne für Verlegung

Plädoyers für die Schul-Haltestelle in Knesebeck

Festhalten an der Haltestelle – Schule und Eltern sind sich bei diesem Ziel einig.
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Festhalten an der Haltestelle – Schule und Eltern sind sich bei diesem Ziel einig.
  • Holger Boden
    vonHolger Boden
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Dass die städtische Politik nun auf eine Entscheidung in der Knesebecker Bushaltestellen-Frage zusteuern könnte, sorgt im Ort für viele Diskussionen. Dabei zeichnet sich ab: Eine Auflösung der Haltestelle an der Schule hätte viele Gegner.

Knesebeck – Da wären zunächst einmal die Eltern. Im Schulelternrat ist man irritiert, dass weitere Arbeitskreissitzungen offenbar kein Thema sein sollen. „Wir brauchen hier keine Basta-Politik“, meint Elternvertreter Norman Wicha. „Das Thema ist zu komplex für schnelle Lösungen.“

Der wichtigste Aspekt aus Elternsicht ist, so betont Wicha, die Sicherheit der Kinder. Und da sei der Halt direkt an der Schule alternativlos: „An anderen Stellen ist keine Busaufsicht möglich.“ Die sei aber für Grundschüler elementar wichtig. Die Elternvertreter sähen durchaus die Verkehrsbelastung der Kirchstraße – die könne aber ohne Haltestelle an der Schule noch zunehmen, weil dann aus Sorge der Erziehungsberechtigten um die Sicherheit noch mehr „Elterntaxis“ aus Nachbarorten fahren.

Wicha bezieht sich in seiner Einschätzung auch auf eine vierseitige Stellungnahme der Schule, die im Herbst an Politik und Verwaltung ging. Schulleiterin Annett Rietz skizziert dort die täglichen Erfahrungen von und mit Fahrschülern. Die seien aufgrund ihres Alters häufig überfordert, wenn sie auf sich gestellt sind. Das sei auch deutlich geworden, als die Haltestelle im Sommer wegen einer Baustelle verlegt werden musste: „Das war eine Belastung für die Kinder.“

Erstklässler könnten sich, so Rietz, die Nummer ihrer Buslinie noch nicht merken und die richtige Fahrtrichtung nicht erkennen. Für zusätzlichen Stress sorge die knappe Zeit nach Schulschluss – wer nach der 5. Stunde die Linie 137 in Richtung Wesendorf erwischen müsse, habe dafür nur drei Minuten Zeit. Das bewirke schon lange vor Unterrichtsende Unruhe. Manchmal fahre der Bus auch frühzeitig ab. Bei den Schülern, die noch kein entwickeltes Zeitgefühl haben, führe das alles mitunter zu „Panik“ und Tränen.

Betreuung durch Lehrkräfte – acht Pädagogen teilen sich 25 Aufsichtstermine pro Woche – sei da unabdingbar, so Rietz. 29 Kinder fahren derzeit mit fünf verschiedenen Linien. Sicheres Verhalten im Straßenverkehr auf dem Weg zu einer weiter entfernten Haltestelle, etwa in der Mittelstraße, könne von den Grundschülern gerade mit Blick auf den Zeitdruck nicht erwartet werden. Doch dort sei eine dauerhafte Aufsichtspflicht nicht gegeben – die bestehe nur bei direkt ans Schulgelände angrenzenden Haltestellen.

Den Elternvertreter Henning Haven verwundert, dass in der Haltestellen-Debatte wiederholt betont worden ist, dass es ja eigentlich um den ÖPNV gehe und nicht in erster Linie um Schulbusse. Das sieht er angesichts der täglichen Praxis als Augenwischerei an: „95 Prozent der Fahrgäste sind Schulkinder.“

Unterstützung für Schule und Eltern kommt von Frank Groß. Der Knesebecker ist Bürgervertreter im städtischen Wirtschaftsausschuss und hat im Rathaus einen Antrag zu der Angelegenheit eingereicht (siehe Kasten). Auch Groß wendet sich angesichts der Verkehrsbelastung der Lindenstraße und mit Blick auf die Einschätzungen der Schulleitung gegen eine Haltestelle an der Mittelstraße. „Wir hätten dann die erste Grundschule ohne eigene Haltestelle im Landkreis“, meint der Bürgervertreter, der kritisiert, dass die Stellungnahme der Schule bisher in der politischen Diskussion offenbar keine Berücksichtigung gefunden hat.

Groß plädiert dafür, die Haltestelle zu erhalten, aber nicht wie bisher als Endpunkt von fünf Linien – denn wenn dort keine Busse mehr über längere Zeiträume stehen würden, werde die Verkehrssituation in der Kirchstraße entschärft. Er erinnert auch daran, dass es ursprünglich lediglich um eine Verlegung der Haltestelle Rathaus und deren barrierefreien ging – und dass dann eine Dynamik einsetzte, in deren Verlauf die Schulhaltestelle in Frage gestellt wurde. Er moniert, dass dann von zwei Parteien im Ortsrat ein Planungskonzept „aus dem Hut gezaubert“ wurde, und dass Anlieger und andere Amtsträger nicht einbezogen worden seien. Nun gebe es den Arbeitskreis, und daher seien auch die Stimmen der Schule und der Bürger zu hören.

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