Diskussion über das Anleinen von Hunden

„Pflicht nicht durchsetzbar"

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Hund macht Angst? Da sind die Herrchen gefragt ...

Wittingen. Hunde müssen innerorts nicht an die Leine – das stößt nicht bei jedem auf Gegenliebe.

Eine 69-jährige Wittingerin, die anonym bleiben möchte, hat sich jetzt ans IK gewandt, weil sie sich beim Spaziergang mit ihrem Shih Tzu von einem anderen Hund „verfolgt und bedroht“ fühlte.

„Den habe ich schon öfters gesehen, der kann meinen kleinen Hund nicht leiden“, meint die Seniorin über den Schäferhund, der ihr am Anfang der Woche bis auf 1,5 Meter nahe gekommen sein soll, bevor sein Herrchen ihn dann an die Leine genommen habe. „Ich fühle mich provoziert“, meint die Dame. „Der Schäferhund läuft auch im Dunkeln nicht an der Leine.“

Muss er auch nicht – so sagt es die entsprechende Verordnung der Stadt. Ein genereller Anleinzwang herrscht demnach innerorts nicht, und auch außerorts gibt es ihn laut Andreas Ritter vom städtischen Ordnungsamt nur in der Brut- und Setzzeit. „Eine Pflicht zum Anleinen von Hunden könnten wir nicht durchsetzen“, erläutert Ritter, „das ist gerichtlich so entschieden worden.“ Lediglich für bestimmte Bereiche oder Veranstaltungen könne der Zwang verfügt werden, etwa in der Nachtweide, am GHS-Sportplatz oder beim Sommerfest.

Für die verärgerte Shih-Tzu-Besitzerin ist es „paradox, dass ein Hund in der Stadt frei laufen darf“. Sie als Halterin eines kleinen Tieres zahle Hundesteuer, fühle sich aber gleichzeitig „in keiner Weise geschützt“.

Ganz so ist es allerdings nicht: Wenn sich jemand durch einen Hund bedroht oder belästigt fühle, dann solle er sich beim Ordnungsamt melden, sagt Ridder. Die Verwaltung werde dann Kontakt mit dem Halter des Tieres aufnehmen: „Wir gehen diesen Sachen durchaus nach.“ Ein Hundehalter sei verpflichtet, darauf zu achten, dass sein Tier beispielsweise andere Leute nicht anspringt. Gleichzeitig sei aber zu beachten, dass es sich um normale Verhaltensweisen halte, wenn ein Hund belle oder Interesse an einem Artgenossen zeige.

„Ein Halter muss die Kontrolle über sein Tier haben“, fasst Ritter zusammen. Komme ein Hundebesitzer seinen Pflichten nicht nach, könne dies zu einem Bußgeld führen oder – bei besonders renitenten Verstößen – auch schon mal zum Verlust der Erlaubnis, ein Tier zu halten. Besondere Auflagen gebe es freilich für die Besitzer von Kampfhunden, in solchen Fällen sei allerdings der Landkreis die zuständige Behörde.

Reiner Sudbrack, Geschäftsführer beim Tierschutz Isenhagener Land, äußert Verständnis für die 69-Jährige: „Der fremde Hund will vielleicht nur spielen – aber weiß man das immer so genau?“ Er appelliert daher an Hundehalter, ihre Tiere immer an die Leine zu nehmen, um ihrer Umwelt Sicherheit zu signalisieren. „Man sollte sich immer in den anderen hineinversetzen – es ist eigentlich so billig und so einfach.“

Von Holger Boden

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