Brauereistadt heute vor einem Jahr in den Schlagzeilen

Der Passauer Armbrustfall: Als Wittingen bundesweit traurige Bekanntheit erlangte

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Ermittler der Gifhorner Kripo am 13. Mai 2019 auf dem Weg in das Haus an der Junkerstraße, in dem zwei tote Frauen gefunden wurden.

Wittingen – Ein Jahr ist es her, da erlangte Wittingen bundesweit traurige Bekanntheit – und schaffte es sogar in Übersee in die Schlagzeilen. Der Grund war das Auffinden zweier toter Frauen in einer Wohnung an der Junkerstraße.

Eine grausige Entdeckung, die – wie sich herausstellen sollte – ein Puzzlestück in einem aufsehenerregenden Kriminalfall war, der zwei Tage vorher in Passau seinen Anfang nahm.

Am 11. Mai 2019 kann man es auch im Isenhagener Land im Radio hören, und die Internetportale sind schnell voll davon: In der bayrischen Dreiflüssestadt hat eine Mitarbeiterin einer Pension in einem Zimmer drei Leichen gefunden. In den Körpern eines 53-Jährigen und einer 33-Jährigen, die auf einem Bett liegen, stecken mehrere Pfeile. Auf dem Boden liegt eine 30-Jährige, offenkundig ebenfalls von einem Pfeil getötet. Das dies etwas mit Wittingen zu tun haben könnte, kann an diesem Sonnabend noch niemand ahnen.

An dem Wochenende kommen dann mehr und mehr Details ans Licht: In dem Pensionszimmer finden die Ermittler zwei Armbrüste. Fortan ist vom „Passauer Armbrust-Fall“ die Rede.

Kaum sickert dann am Wochenbeginn durch, dass die 30-Jährige aus der Passauer Pension aus Wittingen stammt, überschlagen sich an diesem 13. Mai in der Brauereistadt die Ereignisse: Die Polizei rückt an, in einer Wohnung an der Junkerstraße liegen zwei Frauenleichen – es ist die Wohnung der getöteten 30-Jährigen.

Bei den zwei toten Frauen, so stellt sich heraus, handelt es sich um die 35-jährige Lebenspartnerin der 30-Jährigen sowie um eine 19-Jährige, von der es heißt, sie werde von ihren Eltern vermisst. Sie stammt aus Rheinland-Pfalz, ebenso wie das Paar, das tot auf dem Bett der Passauer Pension gefunden wurde.

Weil die 35-Jährige als Lehrerin gearbeitet hat, trifft der Fall die Wittinger Grundschule auf besondere Weise. Die Landesschulbehörde schickt Schulpsychologen, die sich um die Fragen der Kinder kümmern. Das Kollegium muss Kamerateams abwehren, die versuchen, Informationen aus den jungen Schülern herauszuholen.

Bei der überregionalen Suche nach den Hintergründen stoßen die Ermittler auf eine sektenähnliche Struktur mit dem 53-Jährigen als Kristallisationspunkt: Er soll mit einer dominanten und manipulativen Persönlichkeit großen Einfluss auf die Frauen gehabt haben, die er um sich geschart hat. Ein Einfluss, der so weit ging, dass die Gruppe gemeinsam die Welt verlassen wollte.

Denn das ist am Ende das Ermittlungsergebnis, als drei Monate später der Schlussbericht vorgelegt wird: In Passau soll es um „Tötung auf Verlangen“ gegangen sein – ein Auftrag an die 30-Jährige, die sich dann selbst richtete. Ihre beiden Opfer sollen vorher mit K.o.-Tropfen betäubt gewesen sein.

In Wittingen, wo eine Beteiligung Dritter schon früh ausgeschlossen wird, gehen die Ermittler von einem gemeinschaftlichen Selbstmord aus. Die beiden Frauen sollen sich vergiftet haben.

Nach diesen Erkenntnissen aus dem August letzten Jahres gab es keine neue Entwicklung mehr. „Die Ermittlungen wurden komplett eingestellt“, sagt Gifhorns Polizeisprecher Thomas Reuter, „der Fall ist zum Glück abgeschlossen.“ Hinweise zu weiteren Beteiligten oder Hintermännern der Vorfälle habe es nicht gegeben.

Angeklagt wurde niemand. Es gibt keine überlebenden Täter.  bo

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